Sonntag, 28. Oktober 2012

Europa zahlt weiterhin Subventionen

Das Europäische Parlament beschloss, die Subventionen für die Kampfstierzucht beizubehalten. Die genaue Summe wurde noch nicht bekanntgegeben, aber sie wird in den nächsten Monaten, sobald man gesamte Budget für 2013 bekannt wird, veröffentlicht.

Die sozialistische Europaabgeordnete Bernadette Vergnaud gab an, dass man dafür kämpfe "dass die Summe an Subventionen mindestens so hoch ist wie die diesjährige." Trotz der "Antitaurinos in Spanien, Frankreich und dem Rest Europas war die Abstimmung positiver als die im letzten Jahr."

Die Abgeordnete weisdt darauf hin, dass die Beibehaltung der Subventionen "eine gute Nachricht für die Züchter ist, da wir wissen, mit welchen Schwierigkeiten sie derzeit konfrontiert sind." Außerdem gebe es hinter dem Stier "tausende Arbeitsplätze, die wir in der derzeitigen Situation nicht verlieren können."


Quelle: Mundotoro, 28.10.2012: Europa mantendrá las subvenciones al toro.

Freitag, 21. September 2012

Frankreich schützt seine kulturelle Vielfalt

Nach dem politischen Schutz folgte nun auch der juristische. Das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel) bestätigte heute die Verfassungsmäßigkeit der Stiertradition im Süden der Republik. Die Entscheidung ist die Reaktion auf eine Beschwerde verschiedener Tierrechtsorganisationen, die gegen die Ausnahmen, die das französische Strafrecht enthält, geklagt hatten. Ohne diese Ausnahmen wäre die Veranstaltung von Stierfesten in Frankreich illegal. Das Gericht bestätigte nun deren Rechtmäßigkeit.

Diese Entscheidung stellt einen wichtigen strategischen Sieg dar, denn laut Urteil handle es sich bei der Fiesta de los Toros im Süden Frankreichs um eine "ununterbrochene lokale Tradition", die vollständig unantastbar sei, weshalb das Gericht die Rechtmäßigkeit der bestehenden Normen bestätigte.

Die Fiesta genießt in Frankreich mittlerweile höchsten Schutz, sie ist gesetzlich erlaubt, durch die Jurisprudenz bestätigt, im Nationalen Kulturerbe festgehalten und nun auch verfassungsmäßig geschützt. Auch Premierminister Jean Marc Heyraut stellte sich gegen die Tieraktivisten und auf die Seite der Fiesta Brava.

Dementsprechend erfreut zeigte sich auch André Viard, Präsident der Organisation Observatoire National des Cultures Taurines: "Diese Grundsatzentscheidung, die noch in keinem anderen Land gefällt wurde, wird es unserer Organisation erlauben, die Aficionados vor der wachsenden Radikalisierung kleiner, fanatischer Gruppen zu schützen, die nicht einmal davor zurückschreckten, während des Verfahrens das Gericht zu bedrohen. Sie erklärten, dass dieses, wenn es die Fiesta nicht verböte, für schwere Unruhen von Aktivisten, die das Verbot fordern, vor den Arenen verantwortlich wäre. 

Dank der Entscheidung des Gerichtes genießt die Fiesta von jetzt an den maximalen Schutz von offizieller Seite. Sie schützt unsere Rechte und wir werden nicht erlauben, dass Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen die Aficionados zunehmen. Die Gemeinschaft der Aficionados, die in Frankreich eine Minderheit ist, wird ab sofort nicht mehr zulassen, dass ein fanatischer Sektor von Tierrechtlern ein Klima des kulturellen Pogroms, das den universellen Werten der Republik entgegensteht, schürt. 

Wir werden das Innenministerium bitten, die Demonstrationen der Tierrechtler um die Arenen in einer größeren Zone als bisher zu verbieten, und dass auf die radikalsten Gruppen das existierende Gesetz gegen Fußballhooligans angewandt wird. Natürlich werden wir auch die Medien auf ihre strafrechtliche Verantwortung hinweisen, wenn sie, wie es derzeit geschieht, die Lügen und Beleidigungen der Tieraktivisten gegen die Fiesta weiterverbreiten.

Hoffentlich wird dieses historische Urteil auch positive Auswirkungen auf Spanien und andere Länder mit Stiertradition haben, für das Wohl der Fiesta und der Aficionados. Laut einer Umfrage, die diesen Donnerstag veröffentlich wurde, sind 52% der Franzosen für oder zumindest nicht gegen die Existenz der Fiesta in den Regionen, die diese Tradition teilen. In diesen Regionen selbst steigt dieser Anteil auf 61%."

Auch Geneviève Darrieussecq, Bürgermeisterin von Mont-de-Marsan und Präsidentin der Union des Villes Taurines Françaises (Vereinigung der französischen Städte mit Stiertradition), äußerte sich sehr anerkennend über das Urteil: "Die Anerkennung durch den Conseil constitutionnel der Tauromaquia als eigenen kulturellen Bestand bestimmer Regionen der Republik stärkt die Bürgermeister, die ich vertrete, in ihren Überzeugungen: diese Kultur muss geschützt werden, wie alle Minderheitenkulturen. Mit seiner üblichen Weisheit hat der Conseil constitutionnel ein Beispiel für Toleranz gegeben und seinen Respekt für die kulturelle Vielfalt unseres Landes unter Beweis gestellt. 

Die gemeinsame Tätigkeit des Observatoire National des Cultures Taurines und unserer Organisation hat gezeigt, dass die Stierkultur alle politischen Klischees überwindet, denn immerhin schrieb die vorherige Regierung die Fiesta in das nationale Kulturerbe und die derzeitige verteidigte entschieden ihr verfassungsmäßiges Existenzrecht. Und die Bürgermeister der Vereinigung, die ich repräsentiere, gehören zu allen politischen Parteien."


Quellen:



Montag, 3. September 2012

Um 6 Uhr Nachmittag

Zum ersten Mal seit 2006 überträgt das spanische öffentlich-rechtliche Fernsehen RTVE (Radiotelevisión Española) wieder live eine Corrida de toros. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 5. September, ab 18:00 Uhr statt. Den Stieren aus der Madrider Zucht Victoriano del Río stehen die Toreros Julian López "El Juli", José María Manzanares und Alejandro Talavante gegenüber. RTVE übertägt live aus der Plaza de Toros in Valladolid (Castilla-León).

Der Übertragung kann neben Satellit auch über Internet gefolgt werden. Der Link zur Übertragung ist http://www.rtve.es/noticias/directo-la-1/.

 
Plaza de Toros de Valladolid

Mittwoch, 15. August 2012

"Der Torero rettete den Menschen"

Am 7. Oktober 2011 erlitt Juan José Padilla einen fürchterlichen Unfall in der Plaza de toros in Saragossa. Doch trotz der schweren Verletzungen, die er erlitt, so verlor er das Augenlicht des linken Auges und auch sein Gehörgang wurde schwer beschädigt, kehrte er bereits am 4. März 2012, also nicht einmal ganz 5 Monate, in Olivenza/Extremadura in das Ruedo zurück. Seitdem ist er wieder ganz normal als Matador tätig, obwohl er häufiger seine Saison unterbrechen muss, um Untersuchungen und Therapien über sich ergehen zu lassen. In der galizischen Tageszeitung Diario de Pontevedra äußerte er sich über den Vorfall, seine Rückkehr, seinen Stil und den seiner Berufskollegen und seinen körperlichen Zustand.

"Es ist eine neue Etappe meines Lebens. Ich bin sehr stolz und zufrieden, vor allem wegen der Entwicklung, die ich durchlaufen habe. Ehrlich gesagt hat das niemand erwartet, es ist fast ein Wunder, sowohl die Erholung als auch die laufende Saison. Es ist ein wunderbarer Moment und ich erfreue mich an meinem Beruf. Alles kehrt zur Normalität zurück, wie zuvor, aber mit einer gewaltigen Freude und Zufriedenheit, an jedem Nachmittag, den ich meiner Famile und der Afición widmen kann", beschreibt er seine derzeitige Gefühlslage.

Sofort nach dem schweren Vorfall, als klar wurde, dass er überleben würde, gab er bekannt, dass er unbedingt zurückkehren wollte. "Ich würde mein Leben ohne meinen Beruf nicht verstehen, und Gott gab mir die Gelegenheit. Der Verlust eines Auges wird nicht der Grund sein, meinen Beruf aufzugeben. Ich wurde schon oft vom Stier erwischt, aber dieser Vorfall wurde aufgrund seiner Schwere eine größere mediale Wirkung. Aber ich denke, dass ich sobald ich wieder Licht sehe, zurückkehren muss. Der Torero rettete den Menschen. Meine Situation war psychologisch heikel, ich war deprimiert und die Vorfreude, wieder als Torero zu arbeiten, gab mir die Möglichkeit, wieder so glücklich zu sein wie ich jetzt bin."


Er sagt, dass er auch keine Angst hat, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen könnte: "Daran denkt man logischerweise nicht. Heute gibt es viele Möglichkeiten, solche Missgeschicke zu überwinden und an die ruhmreichen Abende zu denken. Deshalb bereiten wir uns physisch und technisch gut vor. Daran denkt man, an die Vorbereitung."

Über den Stier denkt er nicht negativ: "Es ist sein Recht und seine Pflicht. Wir Toreros wählen diesen Beruf aus und wir wissen, dass es Orte und Momente gibt, in denen man sein Leben riskiert. Es ist wie ein Münzwurf, manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Der Stier ermöglicht dir an manchen Abenden Triumphe, Ruhm und Glaubwürdigkeit; und an manchen muss man Tribut zollen. Deshalb ist dieser Beruf so groß, würdig und wahrhaftig", erläutert er, und fährt fort über die Anforderungen an seinen Berufsstand: "Er muss die Fähigkeiten haben, alles aus dem Tier herauszuholen und damit das Publikum anzustecken. An einem Stier muss man sich erfreuen und auch dafür sorgen, dass sich das Publikum daran erfreut."


Über seinen eigenen Stil erzählt er: "Mein Ziel war es immer, Ehrlichkeit, Wahrheit und Authentizität zu vermitteln. Grundsätzlich ist das Engagement immer das Wichtigste. Es gibt eine große Vielzahl an Toreros mit unterschiedlichen Tugenden, einige gefallen diesen Aficionados, die anderen jenen. Der Aficionado hat also die Möglichkeit aus dieser Vielfalt auszuwählen, in der es Kunst, Ausdruck, Gefühl, Varietät, Mut, und, was für mich jeden Abend am wichtigsten ist, das Engagement, gibt. Von dieser Basis aus kann man am Torero alles, was er macht, bewundern. Das füllt die Arena und kommt zum Publikum, das ist am wichtigsten."

Einige Sätze verlor er auch über seinen Gesundheitszustand: "Gestern musste ich wieder zur Untersuchung. Man muss den Gehörgang ständig untersuchen, aber er entwickelt sich ziemlich gut. Ich denke, dass ich nach einigen weiteren Behandlungen einen freien Gehörgang haben werde und somit ein natürliches Gehör. Aber wenn man in der Arena ist, ist das Gehör ohnehin nicht so wichtig. Den Applaus des Publikums spürt man mehr, als dass man ihn hört. Es ist ein Sinn von Emotion und Freude, der sich in Zufriedenheit und Stolz verwandelt, wenn man die Leute sieht, die sich über meine Rückkehr in die Arena freuen. Und ich bringe mich voll ein, weil es sich das Publikum verdient."


Quelle: Diario de Pontevedra, 2.8.2012: "El torero salvó al hombre"


Fotos: eigene, aufgenommen am 10. Juli 2011 in Pamplona

Montag, 13. August 2012

Offener Brief an Juan Manuel Santos

Eine Gruppe von Toreros sandte folgenden Brief an Juan Manuel Santos, den Präsidenten der Republik Kolumbien:

"Wir, die Unterzeichner, wählten den Beruf, den wir heute ausüben unter Inanspruchnahme der Rechte und Garantien, die uns die demokratischen Staaten, in denen wir geboren wurden und in denen wir leben, gewähren, weil er durch das Gesetz und die übergeordneten Verfassungsnormen geschützt ist.  

Unser Beruf, den wir außerdem mit Solz ausüben, steht mit ethischen und moralischen Prinzipien im Einklang. Er respektiert Rechte und Freiheiten der Menschen, aber vor allem erlaubt er uns, mit der Gesellschaft verbunden zu sein und zu ihrer Entwicklung beizutragen.

 Miguel Ángel Perera, hier in Valencia, ist einer der Unterzeichner des Briefes

Wir Unterzeichner sind Toreros. Unser Beruf trägt zum Wirtschaftswachstum -formal und informal- in den Ländern, in denen der Toreo verwurzelt ist, bei und ist ein Teil kultureller Identität und Reichtum. Eines dieser Länder ist Kolumbien.

Außerdem repräsentieren wir Toreros eine Berufsgruppe und  Einzelpersonen die mit einer wirtschaftlichen und unternehmerischen Tätigkeit erster Güte verbunden sind, die Reichtum für unsere Länder schafft. Mit unserem Beruf sehen wir nicht nur unser Recht auf Arbeit und die Meinungsfreiheit, zwei Grundpfeiler einer Demokratie, verwirklicht. Vielmehr fanden tausende Personen aller sozialen Klassen, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in diesen Sektor einbringen, so die Möglichkeit, ihr Wohlergehen und das ihrer Familien zu garantieren.

Wir, die Toreros, repräsentieren auch Werte und Tugenden die man gut zu einem Modell für die Gemeinschaft zusammenfassen kann. Währende des Laufes der Geschichte, hatten wir und diejenigen, die uns begleiteten und inspirierten, das Glück, Volkshelden zu sein und Vorbilder zu werden für die jungen Generationen, die zum Wachstum und zur Entwicklung der Gesellschaft, in der sie leben, beitragen wollen. Wir waren solidarisch mit den Bedürtigsten, wir haben mit unserer Kunst dazu beigetragen, dass viele Menschen im Unglück die Möglichkeit bekamen, ihre jeweiligen Widrigkeiten zu überwinden.
Auch Enrique Ponce, hier während eines Festivals in Granada, fordert Freiheit für sich und seine Berufskollegen

Wir, die Toreros, und die Staatsbürger, die wir repräsentieren, sind respektvoll mit der Umwelt. Wir sind Teil einer landwirtschaftlichen Aktivität deren einziges Ziel es ist, die Existenz einer Spezies sowie seines Lebensraumes und natürlichen Umfelds, in dem sie gezüchtet wird, zu verteidigen und sicherzustellen.

Aber wir beobachten mit Sorge wie uns ein Teil der Bevölkerung stigmatisierte, unsere Grundrechte auf Ehre und den guten Ruf  verletzte und, was das Schlimmste ist, versucht, uns aus der Gesellschaft auszuschließen.

Deshalb wenden wir uns an Sie. Wir kennen Ihre intellektuelle Offenheit sowie Ihre demokratische und progressive Art, die in vielen Entscheidungen und Reformen, die während der ersten Jahre Ihrer Regierung umgesetzt wurden, zum Vorschein kommen. Unser einziges Anliegen ist, als aktive Mitglieder der Gesellschaft, die Sie vertreten, anerkannt zu werden.

Wir wissen beretis, dass die Prioritäten des Landes verhindern, dass sich eine Person Ihrer Würde um ein Problem kümmert, das leicht gelöst werden könnte. Aber es würde uns freuen, wenn Sie uns in Ihrem Amtssitz empfingen, uns kennenlernten und wir so die Möglichkeit hätten, Ihnen unsere Unterstützung und unseren Weg hin zu einem Gesellschaftsmodell, das Sie für Kolumbien vorschlugen, zu zeigen. Ein Land, das wir lieben und respektieren, ein Land, das wir als unser eigenes wahrnehmen, auch wenn wir nicht innerhalb seiner Grenzen geboren wurden.

-Luis Bolívar
-Julián López 'El Juli'
-José Antonio Morante Camacho, 'Morante de la Puebla'
-Enrique Ponce
-José María Manzanares
-Miguel Ángel Perera
-Sebastián Castella"


Quelle: Revista Aplausos, 13.8.2012.: Las figuras piden audiencia al presidente de Colombia.

Mittwoch, 1. August 2012

"Die Politiker entzogen mir das Leben"

Der katalanische Matador Serafín Marín sprach mit der spanischen Tageszeitung El País über das Verbot der Stiere in seiner Heimat Katalonien, eine mögliche Rückkehr und seine allgemeine Gefühlslage unter den herrschenden Umständen:

"Serafín Marín, der einzige aktive katalanische Matador, wird den Morgen des 28. Juli 2010 nicht so leicht vergessen, als das Parlament Kataloniens mit 68 Ja-Stimmen, 55 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen das Verbot der Corrida in dieser Autonomen Gemeinschaft beschloss. Von der Tribüne aus verfolgte er mit Überraschung, Ungläubigkeit und Verzweiflung die endgültige Entscheidung. 'Es war ein sehr trauriger Tag', sagt er. 'Ich fühlte, wie mir die Politiker das Leben entzogen.

An jenem Tag beendete man die lange und intensive Beziehung zwischen Katalonien und der Fiesta de los Toros, dieim Jahr 1387 begann. Lange danach, im Jahr 1834, wurde die erste Plaza de Toros in Barcelona eröffnet, und die Fiesta erreichte einen derartigen Höhepunkt, dass der außerordentliche Umstand eintrat, dass zwischen 1914 und 1923 drei verschiedene Plazas in der Stadt gleichzeitig genützt wurden.* Später erschien Pedro Balañá, der wichtigste Empresario taurino der Geschichte, und verwandelte Barcelona in die Welthauptstadt des Toreo. Doch die Gewohnheiten änderten sich, und was fest verwurzelt erschien, stürzte ein, unterstützt vom Nationalismus, der den Rückgang der Afición und die Nachlässigkeit der Taurinos ausnützte, um eine fanatische Kampagne zu starten, die mit dem Verbot endete. 

Serafín Marín wurde kraft seines Amtes zum Symbol des katalanischen Taurinismo. Am 19. Mai 2010, während der Feria de San Isidro, erschien er in Las Ventas eingehüllt in die offizielle katalanische Flagge als Parade-Capote und bedeckt mit der Barretina, eine klare, fordernde Geste. Auf diese Weise wurde ihm auch in der Monumental in Barcelona zugejubelt, besonders am Abend des 25. September 2011, als er, Juan Mora und José Tomás am letzten Paseíllo teilnahmen, bevor man die Tore der letzten katalanischen Arena, in der noch Stierveranstaltungen abgehalten wurden, endgültig schloss.

'Das war eine sehr traurige Corrida', erinnert sich Marín. 'Es gab sehr viele Emotionen, und ehrlich gesagt fühlte ich mich sehr schlecht. Ich hätte nicht hingehen sollen.'

Serafín Marín spricht mit tiefer Melancholie, gekränkt, trotz der bereits vergangenen Zeit. Es ist so schlimm, dass er zugibt, nicht auszuschließen, Katalonien zu verlassen, wo er noch in seinem Heimatort Moncada lebt, mit seinen Eltern, die aus Jáen stammen.

'Ich bin kein Illegaler, aber ich fühle mich, als ob ich einer wäre', fügt er hinzu. 'Das einzige, was ich tun kann, ist trainieren, weil das nicht verboten ist, und ich tue es jeden Tag, mit einer Gruppe von sieben oder acht Novilleros, die noch nicht die Hoffnung verloren haben, dass eines Tages die Stiere in dieses Land zurückkehren.

Er wäre auch gerne davon überzeugt, und obwohl er weiterhin hofft, dass die Verfassungsklage, die von der PP eingereicht wurde oder die 500.000 Unterschriften, die dem Kongress bereits vorliegen, und die das Ziel haben, die Stiere zum Kulturgut zu erklären, fruchten, erkennt er an, dass es sehr schwierig ist, dass die Festejos Taurinos nach Katalonien zurückkehren.

Der Torero riss sich zusammen und macht weiter, in einer Saison, die ihm sehr schwer fällt. Alleine und in einer Region, die ihm den Brotberuf verbat. Aber Serafín Marín ist daran gewöhnt, letztendlich hat ihn kein einziger Torero begleitet auf seinem Kreuzzug für die Stiere. 'Ja, es hat mich niemand wirklich unterstützt; und nicht nur von den Toreros, sondern auch aus anderen Sektoren.'"

Quelle: El Páis, 26. Juli 2012: “Los políticos me arrancaron la vida”.


* Vergleiche dazu den Beitrag "Ende einer Ära".

Dienstag, 17. Juli 2012

Die Stiere und die Tauromaquia

Der kolumbianische Psychologe Álvaro Javier Botero Cadavid hat anlässlich des Verbotes der Corrida in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá das Verhältnis zwischen Aficionados und Antitaurinos im Informationsmedium Razón Pública analysiert:


"Das versteckte Verbot, in Bogotá Corridas de toros zu veranstalten, hat innerhalb der stieraffinen Minderheit für Unruhe gesorgt. Aber die postmodernen Argumente derer, die für Tierrechte eintreten, sind so schwach wie ihre eigene Ethik. Eine kulturelle Perspektive könnte uns aus der Haarspalterei befreien.

Verbieten, was man nicht versteht

Wiederum zieht Bürgermeister Petro mit einer Entscheidung, die nicht aufhört zu verwundern, in den Kampf. Monate zuvor hatte er bereits seine Meinung über die Fiesta Brava verkündet. Und es kam das Vorhergesehene: ein verstecktes Verbot. Es scheint so, als dass man das, was man nicht versteht, besser verbietet.

Mittels des Euphemismus der einseitigen Auflösung des Pachtvertrages der Arena von Bogotá, außerhalb derer man beinahe unmöglich Corridas veranstalten kann. Mittlerweile erscheint das Thema ad acta gelegt, zumindest für den Moment.

Ich muss gestehen, dass ich nicht besonders gerne an Veranstaltungen der Tauromaquia teilnehme, genauso wie an anderen Veranstaltungen, an denen viele Menschen teilnehmen, wie der Fußball und die großen Konzerte, sogar die von McCartney. Ich gehe auch nicht ins Kino, um Schlangen zu vermeiden. Deshalb fühle ich mich persönlich Amtsmissbrauch des Bürgermeisters nicht betroffen, was mich allerdings nicht davon abhält, den Eindruck zu verstehen, den sie auf diejenigen ausüben, die sich an diesen Veranstaltungen sehr wohl erfreuen.

Wo zieht man die Grenze?

Ausgehend von einem strikt analytischen Ansatz will ich auf einige falsche oder schwache Argumente hinweisen. Zuerst muss man vermeiden, in das meiner Ansicht nach trügerische Dilemma verfallen, ob man die Grausamkeit an Tieren erlauben darf oder ob man sie irgendwie rechtfertigen kann.

Die Tauromaquia und ihre rituellen Aspekte auf eine kalte Beschreibung dessen, was während der Corrida geschieht, unter einer rein anekdotischen Perspektive, zu reduzieren, führt möglicherweise zur Schlussfolgerung, dass es sich um eine grausame und sinnlose Veranstaltung handelt, aber es ist eben eine Sichtweise die aus ihrem kulturellen Kontext herausgerissen wurde.

Das Vorhaben, aus der Bibel ein historisch verifizierbares Dokument zu machen oder sie als ein Meisterwerk fiktiver Literatur zu klassifizieren, führt auch in eine Sackgasse, denn man begeht den selben Fehler: man abstrahiert es aus dem kulturellen Kontext, aus dem das analysierte Objekt seinen Sinn schöpft. Oder vorzugeben, dass in der christlichen Eucharistie der Tod gepriesen wird, da in den Riten das Bild eines gefolterten, gekreuzigten und sterbenden Mannes dominiert. Absurd, denn vereinfachen.

Man kann das Verständnis derartiger Phänomene nicht mittels der Simplifizierung und Anekdotisierung vertiefen, also sollte man danach trachten, einen lobenswerteren Standpunkt zu verteidigen.

Das Sakrale zu dekontextualisieren, das Sakrale, das sicher der offiziellen Sakralität verschließt, war eine alte Spitzfindigkeit des Römischen Reiches und der Inquisition, die in der Vergangenheit Verfolgungen und Hexenjagden gegen die Häretiker auslöste, und die immer diffusen Interessen diente. Es ist ein zweischneidiges Schwert: wenn man heute etwas verbietet, das eine Minderheit berührt, wo zieht man die Grenze, um eine intolerante Mehrheit zu beschwichtigen?

Es ist ein uralter Kult 

Es ist möglich, den Blick über ein weiteres Feld schweifen zu lassen, um die Art und Weise, mit der die Lösung des Dilemmas mittels des Verbots in Angriff genommen wird, zu analysieren. Diese weitere Perspektive erlaubt es, ein beunruhigendes Bild wahrzunehmen.

Es handelt sich um eine kulturelle Ausdrucksform, ein Erbe eines alten Kultes, der im gesamten Mittelmeerraum - von Ägypten über Kreta bis zur Iberischen Halbinsel - vertreten war, mit mindestens dreitausendfünfhundert Jahren archäologischer Zeugnisse, vielleicht der überhaupt älteste Kult, der noch besteht: ein wertvolles kulturelles lebendes Fossil.

Man könnte sie als so wertvoll und ehrwürdig wie die jüdisch-christlichen heiligen Schriften ansehen: beide sind Spuren sakraler Handlungen und kulturelle Ausdrucksformen ersten Ranges.

Deshalb ignoriert man absichtlich seine essenzielle Natur und lenkt von einem fundamentalen Aspekt ab, wenn man die Diskussion auf das postmoderne Konzept der Grausamkeit an Tieren ausrichtet. Diejenigen, die es so machen, zeigen ihr mangelndes Verständnis der kulturellen Phänomene.

Zugleich kann die Tauromaquia in einem modernen Kontext als Kunst und als Ritus, in dem bestimmte Eigenschaften, sowohl tierische als auch menschliche, gepriesen werden, und an den sich bestimmte Erwartungen und bestimme Bedürfnisse, emotionaler und sogar spiritueller Natur, richten. Offensichtlich handelt es sich um eine Kultusform, und so wird es auch vom Verfassungsgerichtshof verstanden.

Also soll sich die Analyse auf die Kultusfreiheit ausrichten. Wo ist ihre Grenze? Soll diese sich ausdehnen, um alle Handlungen, die mit postmodernen Werturteilen kollidieren, zu bewerten? Hat ein Bürgermeister die Möglichkeit, einen Kultus mittels Dekret auf der Basis haltloser Rechtfertigungen zu verbieten? Wie weit gehen wir bei der Einschränkung der Grundrechte? Natürlich sprechen wir hier von menschlichen Wesen...

Man müsste die moderne Gesetzgebung über Tierrechte untersuchen, dabei gebe ich meine Unwissenheit zu. Aber auch, wenn man die Existenz von Tierrechten zugibt: sollen diese besser geschützt sein, als die von Personen, auch wenn es sich dabei um eine Minderheit handelt? Für den Durchschnittsbürger ist die Demokratie die Herrschaft der Mehrheit, also die Erhebung des Allgemeininteresses über das partikulare. Wenn es so wäre, hätte Borges Recht gehabt, als er sie als Missbrauch der Statistik bezeichnete.

Aber diejenigen, die so denken, vergessen, dass die Demokratie genau dafür entsteht, den Minderheiten eine Stimme zu geben. die Vertretung aller gesellschaftlichen Gruppen bedeutet, dass man den Minderheiten die Möglichkeit gibt gegenüber der Planierraupe des Volkswillens. Und darum geht es: um das Recht einer Minderheit, seinen eigenen Kultus zu feiern.

Es ist nicht so einfach, das Verbot der Tauromaquia zu unterstützen, denn die Kultusfreiheit ist verfassungsrechtlich geschützt und ein Grundrecht. Deshalb ist es auch sinnlos, über sie in einem Referendum abstimmen zu lassen.

Also geht es nicht darum, ob der pseudohumanitäre Standpunkt, der auf die Lebenswelt der Tiere übertragen, also anthropomorphisiert wurde, zutreffend oder falsch ist. Es geht um den Respekt vor einem Kultus der historische und kulturelle Gültigkeit hat, in dem die Opferung des Stieres eine zentrale Rolle spielt. Deshalb haben Wörter wie sacrificio (Opferung) und sacro (sakral) auch dieselbe sprachliche Wurzel.

Das Vergessen, ein unfehlbares Mittel

Es muss noch darauf hingewiesen werden, dass die Zivilisationen über einen viel effizienteren Mechanismus verfügen, um kultische oder kulturelle Ausdrucksformen loszuwerden, die keinen Sinn mehr haben oder aufgehört haben, ihre Funktion zu erfüllen: das Vergessen, der einfache Staub des Vergessens.

Jeden Tag wohnen weniger Leute den Corridas de toros bei. Ihr wirtschaftliches Überleben ist bereits ernsthaft gefährdet, nicht wegen des Deliriums irgendeines Autokraten auf der Suche nach Stimmen, sondern wegen des gelangweilten Gähnens, das sie in denen auslösen, die in ihnen keine Emotion und keine Nachricht erkennen, die ihre Seele bewegt oder ihnen etwas über die göttliche Wirklichkeit sagt. Es ist nicht notwendig, etwas zu verbieten, das bereits im Sterben liegt.

Deshalb hat auch die Diskussion mit den selbsternannten Tierschützern keinen Sinn. Vielleicht haben sie ihre Gründe, genauso wie die Anhänger der Tauromaquia. Und die der ersten sind nicht mehr oder weniger ehrenhaft als die der zweiten. Es ist nicht mehr als Haarspalterei.

Aber wie weit sind wir bereit, die Kultusfreiheit zu gewähren? Kann man einen Kultus mittels Dekret verbieten? Es gibt sehr gewalttätige und beliebte Sportarten, die ebenfalls das Leben der Teilnehmer gefährden, wie Boxen oder Kampfsport. Soll man diese auch verbieten? Wo ist die Grenze? Praktisch alle kulturellen Ausdrucksformen waren irgendwann oder sind noch immer sakrale Rituale, Liturgien... letztlich Religionen."

Quelle: Álvaro Botero: De toros y tauromaquia: los límites de la libertad de culto. Razón Pública, 1.7.2012.

Montag, 9. Juli 2012

Der Stierlauf

Seit vergangenem Freitag finden in Pamplona/Navarra die weltberühmten, jährlichen Sanfermines statt. Ein wichtiger Bestandteil dieses Festes sind die Encierros. Dabei werden sechs Toros de lidia und sechs Ochsen (Cabestros) aus ihrem Gehege gelassen und laufen die ca. 800 Meter lange Strecke bis zur Plaza de Toros durch die Gassen der Stadt. Tausende Mozos genannte Läufer versuchen, einige Meter neben den Stieren herzulaufen und ihnen dabei vielleicht sogar die Hand auf den Rücken zu legen.

Auch deutschsprachige Medien berichten über dieses Ereignis. Wenn man diese Berichterstattung verfolgt, dauert es aber leider nicht allzu lange, bis man über das unpassende Wort Stierhatz stolpert, mit dem das spanische Wort Encierro übersetzt wird. Dieses Problem existiert seit Jahren, und es anzusprechen ist in etwa, wie gegen Windmühlen zu kämpfen, nämlich sinnlos. Dennoch sollte man immer wieder auf die Falschheit des Begriffes hinweisen. 

Der Begriff ist hauptsächlich aufgrund zweier Gründe inkorrekt: erstens semantisch, weil er etwas bezeichnet, was nicht existiert. Die Stiere werden nicht gehetzt, wie beispielsweise die Tiere bei einer Fuchsjagd. Um das zu unterstreichen, ist hier die Definition des Begriffes Hatz des Dudens zitiert: 
  
"Hatz, die

Wortart: Substantiv, feminin
    1. (Jägersprache) Hetzjagd mit Hunden (besonders auf Wildschweine)
    2. Verfolgung, Einkreisung eines Flüchtenden
  1. (umgangssprachlich, besonders bayrisch) eiliges, angestrengtes Sichbemühen um etwas; das Hetzen"
Wer jemals einen Encierro gesehen hat (beispielsweise den von Heute), wird sehen, dass die Stiere dabei weder mit Hunden gehetzt werden (wie in Definition 1.1.), noch verfolgt und eingekreist werden (1.2.), da ein Mensch einen Stier ohnehin nicht verfolgen kann und eine Einkreisung dieser Tiere schlicht lebensmüde wäre.

Auch der zweite Punkt der Defininition "eiliges, angestrengtes Sichbemühen um etwas", hat mit dem Geschehen bei einem Encierro absolut nichts zu tun. Eine Hatz ist also alles andere als das, was derzeit jeden Morgen um Acht Uhr in Pamplona veranstaltet wird.

Zweitens ist die Benützung des Wortes Hatz in diesem Zusammenhang zu vermeiden, da es eine wertende Konnotation beinhaltet, und neutrale Berichterstattung so etwas nicht zu beinhalten hat.

Das renommierte Wörterbuch Pons übersetzt Encierro überhaupt nicht mit einem Wort, sondern definiert einerseits als "Eintreiben in die Arenastallungen" und andererseits als "Volksfest, bei dem die Kampfstiere auf die Straßen gelassen werden.

Vor einigen Tagen wurden an dieser Stelle einige Quellen vorgestellt, mittels derer man die Bedeutung spanischer Fachausdrücke aus der Welt der Stiere erfahren kann. Diese Quellen enthalten folgende Einträge zum Wort Encierro:

1) Die Webseite www.tauromaquia.de leider gar keinen.

2) Das Stierkampf-Glossar definiert Encierro folgendermaßen:
"Stiertreiben. Ursprünglich wurden die toros zum Stierkampf von den corales zur Plaza de toros getrieben. Dies geschah in den frühen Morgenstunden, da kaum Betrieb in den Strassen war. Die populärsten encierros finden heute in Pamplona und San Sebastian de los Reyes statt."

3) Und im Stierkampf Wörterbuch von Hans Glarner findet sich folgender Eintrag:
"Einschliessen, Eintreiben 1. Das Eintreiben der Stiere mit Hilfe von Ochsen (cabestros) in die Umfriedungen der Arena. 2. Gruppe von Kampfstieren unterwegs begleitet vom Hirten, gegebenenfalls mit Reitern und Ochsen."

Die Encierros in Pamplona beziehen sich natürlich nur auf die erste Definition Glarners.

Letztlich sieht man also auch an diesen Quellen, dass das Wort Stierhatz nirgends auftaucht. Alternativen wären Stier- oder Eintreiben, wobei auch diese wenig elegant wirken. Die natürlichste und korrekteste Übersetzung des Wortes Encierro wäre allerdings sicherlich Stierlauf. Stierrennen wird auch häufiger verwendet, sollte allerdings wegen der Ähnlichkeit mit Pferde- oder Hunderennen vermieden werden.

Am besten wäre es ohnehin, das Wort Encierro wie das Beispiel Pons zeigt, unübersetzt zu lassen, und jeder, der sich ein Urteil darüber bilden will, kann sich diese Veranstaltung ja ansehen oder am besten selbst besuchen und wird merken, dass von einer Hatz weit und breit keine Spur ist.

Samstag, 7. Juli 2012

Die Stiere auf Deutsch

Wie so viele gesellschaftliche Sub- und Subsubsysteme hat auch die Welt der Stiere ein sehr eigenes Vokabular entwickelt. Da die Tradition, Stiere nach festgelegten Regeln auf kunstvolle Art und Weise zu töten, nur in spanischsprachigen Ländern sowie in Portugal und Frankreich existiert, hat sich dieses Vokabular natürlich nicht in die deutsche Sprache weiterverbreiten können.

Deshalb sind viele Begriffe auch nicht einfach ins Deutsche zu übersetzen. Diesem Umstand begegnen viele, unter anderem auch dieser Blog, mit der Strategie, sie einfach unübersetzt zu lassen. Sicherlich ist dies nicht die eleganteste Lösung, aber doch wohl die nachvollziehbarste.

Sie stellt allerdings viele Leute, vor allem solche, die des Spanischen nicht mächtig sind, vor große Probleme, da sie die genaue semantische Bedeutung nicht kennen und ihnen damit vielleicht auch der Sinn verschlossen bleibt.

Diese Lücke haben in den letzten Jahren einige kundige Menschen erkannt, und versucht, einen Beitrag zu deren Schließung zu leisten. Drei dieser Beiträge seien im Folgenden kurz vorgestellt:

1) Die Internetpräsenz www.tauromaquia.de beinhaltet ein sehr übersichtliches Glossar spanischer Fachausdrücke, die auf Deutsch erklärt werden. Als Bonus, der das bessere Verständnis erleichtert, sind viele darin enthaltene Ausdrücke mit Bildern verlinkt. 
 
2) Noch um einiges umfangreicher, und auch miteinander verlinke Beiträge enthaltend, ist das Stierkampf-Glossar, das der Betreiber des Blogs Stierkampf für alle verwaltet.
 
3) Sehr umfangreich und informativ ist ein Buch von Hans Glarner aus dem Jahr 2010, das der Verfasser dieser Zeilen jedem Interessierten wärmstens ans Herz legen will: 
Hans Glarner (2010): Stierkampf Wörterbuch. Zollikon, Eigenverlag.  
Leider ist dieses Buch nicht auf Amazon verfügbar.

Sonntag, 3. Juni 2012

Sebastián Castella: Triumphator von San Isidro

Der französische Matador Sebastián Castella wurde von einer Jury zum Triumphator der kürzlich zu Ende gegangenen Feria de San Isidro in Madrid gewählt. Zusätzlich erhielt er den Preis für die beste Faena. Insgesamt wählten 22 Mitglieder die Gewinner in elf verschiedenen Kategorien:

  1. Triumphator der Feria: Sebastián Castella 
  2. Beste Faena: Sebastián Castella 
  3. Bester Novillero: Gómez del Pilar 
  4. Bester Rejoneador: Diego Ventura 
  5. Bester Newcomer: Morenito de Aranda 
  6. Beste Estocada: Uceda Leal 
  7. Bester Picador: Nacho Meléndez 
  8. Bester Subalterno: Fernando Galindo 
  9. Bestes Paar Banderillas: Curro Javier 
  10. Beste Ganadería: Alcurrucén 
  11. Bester Stier: 'Fiscal', vierter Stier der Corrida von Alcurrucén


Dienstag, 15. Mai 2012

Die Stiere erlösen 4,3 mal so viel wie das Kino

In einem wirtschaftlich schwierigen Moment von einer Verónica von Morante oder einem Natural von José Tomás zu sprechen, mag wie ein Sakrileg erscheinen. Es hieße, einem feinen und flüchtigen Kunstwerk mit einem Preis zu versehen. Etwas derart Schönes zu kommerzialisieren ist allerdings keine Laune, sondern eine wirkliche Notwendigket der Welt der Stiere. Die Tauromaquia ist ein wirtschaftlicher Stimulus.
 
Ausgelöst wird das durch die letzte Kampfstrategie, derer sich die Abolitionisten bedienen: zu behaupten, dass die Fiesta eine "Laune weniger ist, die mit dem Geld von allen subventioniert wird. Doch nichts läge der Wirklichkeit ferner. Hier ist derjenige der zahlt, also der Aficionado, auch derjenige, der diesen Sektor hauptsächlich stützt. Um zu zeigen, dass der Fiesta heutzutage jegliche wirtschaftliche Unterstützung fehlt, muss man nur eine relativ einfache Aufgabe meistern, nämlich in den nationalen, regionalen und lokalen Budgets nachzuschlagen. Sollte es allerdings doch Ausgabeposten zugunsten der Tauromaquia geben, wäre der Saldo für die Staatskasse immer positiv.

In diesem Bereich, nennen wir ihn Tauroeconomía, sind die Arbeiten des Doktors der Wrtschaftswissenschaften und Professors für Ökonomische Theorie an der Universität von Extremadura Juan Medina (siehe auch hier). Zwischen seinen Vorlesungen widmet er seine Freizeit der Suche nach Daten in Originalquellen, um die "ökonomische Größe der Fiesta" zu zeigen, wie er es nennt. Der Ursprung seiner Nachforschungen liegt in der Notwendigkeit "die Freiheit, die Stiere zu sehen, gegenüber denen, die mit Unterstellungen und Lügen versuchen, ihre Moral als die einzig wahre aufzudrängen, zu verteidigen", begründet, führt der Professor an.

Mit seiner Arbeit hat er so das Kartenhaus der Antitaurinos, deren Existenz in der Autonomen Gemeinschaft Madrid in den letzten Zügen liegt, niedergerissen. "Die Tierschutzlobby hält daran fest, dass die Gemeinschaft die Stiere subventionieren würde, aber niemals erwähnen sie die Einnahmen, die die Fiesta erlöst", weist der Professor hin. Konkret sind im Budget der Gemeinschaft für 2012 Ausgaben von 2,2 Millionen Euro für Stieraktivitäten vorgesehen. Ein Betrag, der alleine durch die Pacht der Firma, die die Arena betreibt (Taurodelta, Anm.), gedeckt ist. Diese beläuft sich auf etwa 2,3 Millionen Euro.

Zur Pacht muss man die Summe, die durch die Umsatzsteuer eingenommen wird, hinzuzählen. Gemäß der Schätzungen von Dr. Medina, die Frucht der Arbeit sind, die er in früheren Jahren geleistet hatte, setzt alleine die Feria de San Isidro ein Volumen von etwa 50 Millionen Euro um. Davon entfallen etwa 17 Millionen auf den Verkauf der Eintrittskarten. Dadurch nimmt der über die Eintrittskarten etwa 1,5 Millionen Euro an Umsatzsteuer ein. Zusätzlich werden weitere 2 Millionen durch wirtschaftliche Tätigkeiten, die von der Feria ausgelöst werden, eingebracht. Insgesamt, ohne weitere Steuern und Abgaben miteinzubeziehen, nimmt die Gemeinschaft dank der Stiere fast 6 Millionen Euro ein. Von diesen profitieren alle Einwohner Madrids "inklusive der Antitaurinos", hält er ironisch fest.

Er zeigt also nicht nur, wie wenig Hilfe die Fiesta bekommt, in manchen Fällen lächerlich wenig, wenn man es beispielsweise mit den 92 Millionen Euro vergleicht, die dem Kino 2010 gewährt wurden, sondern er widerlegt auch die Argumente derjenigen, die sagen, dass Barcelona "gestorben" ist, weil es sich um eine unrentable Arena gehandelt hätte. Private Initiative und das Interesse des Publikums, das seinen Platz bezahlte, erhielten die Corridas in Barcelona. "Es gab überhaupt keine Subventionen und der Pächter machte weiter, weil er Gewinne erwirtschaftete", hält Medina fest. Die Schließung kann nicht mit mangelnder wirtschaftlicher Rentabilität erklärt werden, sondern dadurch, dass "ihr Parlament beschloss, über die Moral zu entscheiden. So wie ein theokratisches Parlament, anstatt zu erlauben, dass unterschiedliche Formen von Moral in einer pluralistischen und vielfältigen katalanischen Gesellschaft zusammenlebten," urteilt der Professor.

Desweiteren legt er sein Augenmerk auf die nationale Ebene. 2010 erreicht das Geldvolumen, das durch den Kartenverkauf umgesetzt wurde, 350 Millionen Euro. Diese Zahl wird nur durch die des Fußballs übertroffen, liegt aber weit über den 80 Millionen des Kinos und den 150 Millionen des Theaters. Wenn man zu den erwähnten Subventionen zurückkehrt, sieht man also, dass das Kino mehr Hilfe erhält, als es insgesamt an Ertrag einbringt.

Die Erträge durch die Stiere sind also auch für den Staat sehr wichtig. Doch dabei bleibt es noch nicht, man muss auch das Geschäftsvolumen hinzufügen, das durch die Stierveranstaltungen ausgelöst wird: Restaurants, Transport, Freizeit und andere Tätigkeiten. Dieser wirtschaftliche Ertrag wächst bemerkenswert.



Quelle:

Dienstag, 3. April 2012

Plakat für Pamplona

Der kolumbianische Maler Diego Ramos Ramírez (geboren 1976 in Cali) hat das Plakat für die diesjährige Feria del Toro während der Sanfermines in Pamplona gestaltet. Dies bestätigte am Freitag Luis Arraiza, Vizepräsident der Casa de Misericordia (Haus der Barmherzigkeit, Pächter der Arena in Pamplona, Anm.), der das Werk als "außerordentlich" bezeichnete.

Das Ölgemälde auf Leinwand zeigt einen schwarzen Stier vor rotem Hintergrund, womit der Künstler laut seiner Aussage "Wirkung erzielen" wollte.

"Vom ersten Augenblick an war mir klar, dass ich einen Stier haben wollte", erklärte Diego Ramos. Er würdigte außerdem, bei der Gestaltung völlige Freiheit gehabt zu haben, desweiteren bekannte er, dass er mit dem Werk "Emotion übermitteln" wollte und er gab an, dass die ausgewählten Farben "viel darüber aussagen, was die Fiesta ist."

Diese Fiesta lernte er 2009 kennen, als er nach Pamplona reiste um in einem Hotel Werke auszustellen. Davon behält er "exzellente Erinnerungen in jeglicher Hinsicht".

Der Künstler, der auch schon in Städten wie Sevilla, Madrid, Córdoba und Valencia ausgestellt hat und unter anderem bereits zwei Plakate für die Corrida de la Beneficencia in Madrid gestaltete, bekannte sich zu seiner Liebe zum Stier, der mit Pamplona verbunden ist. Als er klein war, blieb er bis in die Nacht auf, um im spanischen Fernsehen die Encierros (Stierläufe) der Sanfermines zu sehen und später spielte er mit seinen Freunden, diese Läufe nachzumachen.

Deshalb habe es ihn mit Freudeerfüllt, als er diesen Auftrag der Casa de Misericordia erhalten hat. Deren Verantwortlicher der Kunstkommission Fernando Redón hob die Stiertradition des Malers hervor, an dem er dessen Kunstfertigkeit und seine Afición würdigte.

Zusammen mit dieser Tradition erzählte Diego Ramos, dass er um den Auftrag zu erfüllen von seiner Überzeugung ausging, dass ein Plakat ein "Schrei an der Wand" sein und den "Beobachter einladen" soll.

Über seinen kreativen Prozess im Allgemeinen bekannte der Maler, dass er "schwierig" sei. "Jeden Tag verlange ich mehr von mir und jeden Tag leide ich mehr." Er deutete auch an, dass er sich in einem "Prozess der Zuwendung" befinde, in dem er sich "jeden Tag wohl fühlen" will. "Und fast nie gelingt es mir", fuhr er fort.

Er sagte, dass er auf jeden Fall am Werk weiterarbeiten würde, bis der Moment kommt, in dem er "Energie und Gefühle" verspürt. "Dann höre ich auf, denn ich glaube, dass ich dann einen Teil von mir im Werk gelassen habe", erklärte er, der auch angab, jedes Mal "mit weniger Pinselstrichen mehr auszusagen" zu versuchen.

Mit der Wahl von Diego Ramos führte die Casa de Misericordia die Tradition fort, "unter den wichtigsten Malern" den auszusuchen, den man als "am angemessensten" für das Plakat ansieht.

Vom Plakat wurde 2000 große Exemplare gedruckt, 3500 mittlerer Größe und zum ersten Mal 500 laminierte, die für drei Euro verkauft werden, während die mittleren zwei Euro kosten.


Quelle:



 Diego Ramos Ramírez mit dem von ihm gestalteten Plakat

Montag, 2. April 2012

Die Stiere sind Immaterielles Kulturerbe in Sevilla

Das Plenum der Stadtverwaltung von Sevilla hat letzten Freitag den Vorschlag der Partido Popular (PP), die Stierveranstaltungen, die in der Stadt abgehalten werden, in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Stadt aufzunehmen, angenommen.

Die PP, die in Sevilla mit absoluter Mehrheit regiert, beantragte dies "gemäß des Vertrages zum Schutz des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO."

Der Sprecher der PP in der Stadtverwaltung Juan Bueno wies darauf hin, dass die Tauromaquia "mit Sevilla stark verbunden ist." Man veranstaltet dort Stierveranstaltungen "seit Menschengedenken" und mit Stetigkeit seit "der römischen Epoche."

Bueno erklärte auch dass "große Namen von Toreros aus Sevilla, wie Joselito und Belmonte, die das Goldene Zeitalter des Toreo symbolisieren, sowie Gitanillo de Triana, Pepe Luis Vázquez, Chicuelo, Curro Romero und viele andere zur Geschichte des Toreo in Sevilla gehören."

Zusätzlich zur Erklärung der Stiere zum Immateriellen Kulturgut Sevillas wird die PP diese Deklaration an die Consejería de Cultura (Organ der regionalen Regierung Andalusiens, Anm.) und an den Consejo de Patrimonio Histórico (Rat des Historischen Erbes) weiterleiten, damit die Stiere auch in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes Andalusiens und des gesamten Staates aufgenommen wird.

Bueno unterstrich dass die Stierveranstaltungen "eine kulturelle Gegebenheit darstellen, die man nicht von unserer Geschichte und unseren Traditionen trennen kann", und dassdiese "in Sevilla einzigartige Wurzeln haben, wie die weite Verbreitung von kulturellen Vereinigungen im Umfeld der Fiesta Nacional zeigt. Außerdem verbinden sie die Gefühle vieler Sevillaner."

Der Antrag wurde mit den Stimmen der PP angenommen, die PSOE enthielt sich und die IU stimmte dagegen.


Quelle:


Freitag, 23. März 2012

590.000 Unterschriften

Gestern wurden dem Nationalen Statistikinstitut (Instituto Nacional de Estadística, INE) in Madrid Behälter mit 590.000 Unterschriften zur Verifizierung übergeben. Diese sollen ein Gesetz erwirken, mit dem die Stiere zum Bien de Interés Cultural (dt. etwa Kulturerbe) erklärt werden.

Mit dieser Initiative versucht man das Verbot der Corrida de Toros in Katalonien rückgängig zu machen.

Die Delegation der verantwortlichen Organisation, die Federación de Entidades Taurinas de Cataluña, wurde von ihrem Präsidenten Luis María Gibert angeführt, und brachte die 40 Behälter mit den Unterschriften zum INE, wo diese auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden müssen.

Mit dem Dokument, das den Empfang der Unterschriften bestätigt, fuhr die Gruppe zum Kongress, dem Unterhaus des spanischen Parlaments, wo sie von dessen Präsidenten Jesús Posada empfangen wurde. Diesem haben sie ihr Anliegen vorgebracht.

Der Anwalt der Federación de Entidades Taurinas de Cataluña Alejandro Gasch, zeigte seine Zufriedenheit mit der Anzahl an Unterschriften und unterstrich, dass von ihnen 150.000 aus Katalonien kommen. Man erreichte also dreimal so viele wie die Plattform Prou, deren Initiative schließlich den Anstoß gab zum Verbot in Katalonien. Er erkärte, dass diese Initiative will, "dass die Fiesta de los Toros mittels Gesetz zu einem Bien de Interés Cultural auf nationaler Ebene wird."

Ebenfalls anwesend bei dem Akt waren die Matadore Santiago Martín "El Viti", Serafín Marín, Cayetano, Roberto Domínguez und Curro Vázquez, der President des Mesa del Toro Carlos Núñez, Fernando Galindo als Vertreter der Banderilleros und Vertreter der Asociación Taurina Parlamentaria, ein Zusammenschluss von protaurinischen Parlamentariern.

Der Präsident Luis María Gibert zeigte sich "sehr erfreut darüber, dem Kongress 590.000 Unterschriften übergeben zu können." Außerdem denkt er, dass es noch 10.000 mehr werden könnten. Der Vertreter betonte zudem, dass das katalanische Volk damit seine Souveränität und Liebe zu den Stieren gezeigt hat. 

Der Matador Cayetano Rivera wiederum sagte wiederum, dass "ich heute als Anhänger hier bin, über meine Eigenschaft als Matador hinaus. Ich komme, um die Stiertradition in Katalonien zu unterstützen. Die dortige Arena bedeutet mir viel, denn dort nahm mein Vater seine Alternativa" (Anm: Cayetano ist ein Sohn des Matadors Francisco Rivera Pérez "Paquirri", der 1984 an einer Hornverletzung, die er in Pozoblanco/Córdoba erlitt, verstarb).


Quelle:

El Mundo, 22.3.2012: Entregan 590.000 firmas para que una ley proteja la fiesta de los toros

Montag, 19. März 2012

Manifest für Freiheit und kulturelle Vielfalt

Die Stierveransaltungen sind eine im Peru der Kreolen, Mestizen und Anden tief verwurzelte Tradition. Sie repräsentieren ein zentrales Element der Patronatsfeste, die gleichzeitg als integrative Mechanismen und dem sozialen und kulturellen Zusammenhalt dienen.

Die Corridas de Toros sind eine Massenveranstaltung, die weder gewalttätige Demonstrationen noch agressive oder gewaltsame Vandalenakte, weder innerhalb noch außerhalb der Arena, verursacht. Sie fördern deshalb keine Kultur der Gewalt unter den Jungen, wie man vorgibt zu bestätigen.Sie fördern viel eher menschliche Werte und Fähigkeiten wie Mut, Heldentum und Überwindung aller Widrigkeiten, neben vielen anderen.


Eine Reihe von Normen ordnen das Stierspektakel. So stellt man es als Liturgie dar die den Respekt vor dem Toro de Lidia und der reinen Metapher, die ein Ritual darstellt, in dem der Mensch versucht sich gegenüber dem Tod durch ästhetisches und künstlerisches Schaffen zu behaupten, bildet.

Wir streben also danach, dass die Freiheit, an den Corridas de Toros teilzunehmen oder nicht und unseren Kindern die Stierkultur, von der einige von uns uns annehmen, dass sie Besitzerin eines tiefen symbolischen und künstlerischen Inhaltes ist, der erzieherisch ist und die tiefgründige Sensibilität des Zuschauers sucht, respektiert wird.

Gleichfalls respektieren wir diejenigen, die sich an der Fiesta Brava nicht erfreuen können und deren Sensibiltät, wie wir sie verstehen, ihnen nicht erlaubt, sie zu schätzen.

Ebensowenig akzeptieren wir die Intoleranz derer, die für ihr Verbot eintreten. Wir weisen jeglichen Versuch, sie abzuschaffen und ihre Entwicklung einzuschränken, zurück, genauso wie jegliche Einstellung die diese Tradition töten könnte, die sich wie alle anderen auch durch sich selbst weiterentwickelt und weiterleben wird solange die Völker ihren Inhalt und ihre Ästhetik weiterhinschätzen.

Die Stierveranstaltungen wurden vom Verfassungsgerichtshof Perus im Mai 2011 anerkannt. Das Tribunal stellt klar dass man keine Betroffenheit von Verfassungsrecht nur aufgrund des Angebots dieser Veranstaltungen, solange die Anwesenheit bei ihnen nicht erzwungen wird, vorbringen könne

Es ist die Aufgabe des Staates, Kunst und Kultur zu fördern und zu verbreiten und nicht, wie einige intolerante Sektoren vorbringen, sie mittels trügerischer Argumente zu ächten.


Unterzeichner
 
Mario Vargas Llosa (Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger)

Alfredo Bryce Echenique (Schriftsteller)

Antonio Cisneros (Dichter)

José Tola De Habich (plastischer Künstler)

Juan Ossio (Anthropologe, ehemaliger Kulturminister)

Fernando Ampuero (Schriftsteller und Journalist)

Frederick Cooper Llosa (Architekt)

Felipe Ortiz de Zevallos (Ökonom)

Diego García Sayán (Anwalt)

Francisco Lombardi (Filmregisseur)

Ricardo Uceda (Journalist)

Guillermo Niño de Guzmán (Schriftsteller)

Gustavo Bueno (Schausteller)

Eloy Jáuregui (Journalist)

Alejandro Ferreyros (Psychologe)

Fernando Alayza (Psychiater)

Luis Guzmán Barrón (Ehemaliger Rektor der PUCP.)

Alfredo Bullard (Anwalt)

Baldomero Cáceres Santa María (Sozialpsychologe)

Francisco Miró Quesada Rada (Chefredakteur von El Comercio und Politologe)

Mariela Balbi (Journalistin)

Bartolomé Puiggros Planas (Agraringenieur)

Efraín Trelles (Historiker und Journalist)

Augusto Polo Campos (Komponist)

Luis Bustamante Belaúnde (Anwalt und ehemaliger Rektor der UPC)

Carlos Bazán Zender (
Mediziner, ehemaliger Gesundheitsminister)

Carlos Hernández Camarero (Mediziner)

César Guitiérrez Rivas (Schriftsteller)

Edgar Saba (Theaterregisseur)

Alonso Alegría (Dramaturg)

Nelly Calderón (ehemalige Generalstaatsanwältin)

Abelardo Sánchez León (Schriftsteller)

Baldomero Cáceres Vegas (Schauspieler)

Juan José Cabello (Anwalt)

Edmundo Murrugarra (Soziologe)

Rafael Santa Cruz ( Musiker)

Edwin Montoya (Komponist)

Bernardo Roca Rey (Gastronom)

Ricardo Wiesse (
plastischer Künstler)

Héctor López Martínez (Historiker)

Álvaro Roca Rey (
plastischer Künstler)

Alonso Cueto (Schriftsteller)

Pablo Gómez de Barbieri (Architekt)

Augusto Ortiz de Zevallos (
Architekt)

James Berckemeyer (Koch)

Juan Guillermo Carpio (Ehemaliger Direktor des nationalen peruanischen Kulturinstitutes)

Silvio Ratto (Industrieingenieur)

Fernando Guembes (
Architekt)

Mario Castillo Freyre (Anwalt)

Liliana Regalado de Hurtado (Historikerin)

Carlos Cárdenas Quirós (
Anwalt)

Óscar Velarde (
Gastronom)

Flavio Solórzano (Gastronom)

Mario de la Cuba (Historiker)

Rafael García Miró (
plastischer Künstler)

Jean Pierre Vismara (Liedermacher)


 

Freitag, 16. März 2012

Die ökologische Bedeutung des Stieres

Die Asociación Nacional de Criadores de Toros de Lidia (dt. etwa Nationale Verinigung der Kampfstierzüchter) aus Mexiko hat ein Video über die Bedeutung des Stieres und seiner Zucht für das Ökosystem veröffentlicht. Hier eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes:

Der Ur, Stammform des modernen Toro de Lidia und ursprünglich in ganz Europa verbreitet, wurde durch klimatischen Wandel dazu gezwungen, nach Südfrankreich und Spanien zu wandern, wo die Rasse domestiziert wurde. In Friedenszeiten nutzten adlige Krieger diese Tiere, um für den Krieg zu üben. Diese Übungen wurden schließlich zu einem vitalen Bestandteil der religiösen, populären und militärischen Feste, und waren im Mittelalter in Spanien äußerst beliebt.

Eine gezielte Zucht der Stiere begann jedoch erst später, und zwar in Andalusien. Erst dadurch wurde aus dem Ur im Laufe der Generationen der heutige Toro de Lidia. Der Umgang mit den Stieren wurde laufend fachmännischer.

Mit der Eroberung Amerikas durch die Spanier wurde die Stierkultur auch dort verwurzelt, und besteht in manchen Regionen wie Mexiko bis heute fort.

Im Laufe der Zeit übernahm das Volk die Bräuche des Adels, und so wurde auch die Stierkultur popularisiert. Allerdings traten die neuen Akteure dem Stier nicht mehr zu Pferd, sondern zu Fuß entgegen. Im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Handbücher der Tauromaquia. Der Ablauf, nach dem der Stier zu töten ist, wurde damit auch festgelegt. Anstatt die Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen durchzuführen, wurden die ersten eigenen Arenen errichtet. Dadurch wurde auch die Zucht der Stiere noch wichtiger, und auch die wirtschaftliche Bedeutung der Zuchtbetriebe stieg.

Damit schlagt das Video die Brücke zur Gegenwart. Derzeit besorgniserregende Probleme sind das weltweite Verschwinden der Artenvielfalt, der Zustand der Umwelt und die globale Erwärmung. Der Toro Bravo wiederum ist ein einzigartiges Tier, das seit jeher in Einklang mit seiner Umwelt lebt. Seine Existenz garantiert das Gleichgewicht des Ökosystems, in dem er lebt. Dadurch kann eine große Vielfalt an Flora und Fauna in einem großen Raum erhalten werden. Zu den auf diese Weise beschützten Arten gehören Puma, Schwarzbär, Rothirsch, Neuweltschwein, Rotluchs, Koyote, Opossum, Fuchs, Gürteltier, Spitzmaus, Beutelratte, Katzenfrett, Nasenbär, Waschbär, Mauswiesel, Silberdachs, Uhu, Schleiereule, Steinkauz sowie eine große Vielfalt an Vögeln, Reptilien und Amphibien. Auch Fische und Wirbellose sind in solchen Ökosystemen, die eine Stierzucht bildet, zu finden. Der Toro de Lidia kann neben anderen Rindern auch mit jedem Wildtier zusammenleben. Die Rasse hat also auf überwältigende Art und Weise zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts auf den Dehesas beigetragen, vor allem in Randgebieten auf kargen Böden, die der sonstigen landwirtschaftlichen Nutzung wahrscheinlich entzogen wären. Anstatt ausgebeutet zu werden, wird das Ökosystem erhalten.

Die Stierzucht ist also der Umwelt gegenüber überaus respektvoll und trägt entscheidend zurm harmonischen Erhalt des ökologischen Gleichgewichts bei. Die relative Anspruchslosigkeit der Rinder ermöglicht ihre Zucht in Gebieten, die zur agrarischen Nutzung nicht geeignet sind. Zusätzlich bringt die Zucht die Wirtschaft in Schwung, beispielsweise durch ökotouristische Angebote und leistet einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.

Dabei unterscheidet sich der Toro Bravo von sonstigen Rindern durch einige Besonderheiten: zum Beispiel sein Äußeres, seine Morphologie, sein Bewegungsapparat, seine Sinneswahrnehmung und seine physische Widerstandskraft. 

Aufgrund all dieser Faktoren ist es sehr wichtig, die Existenz des Toro de Lidia zu bewahren und ihn zu beschützen, als weltweit einzigartige Spezies.



Freitag, 9. März 2012

Stiere und Politik

Das Verbot der Corrida de Toros in Katalonien soll hier nicht zum Dauerthema werden. Allerdings ist es notwendig, kurz darauf einzugehen, um die Umstände der folgenden Informationen besser verstehen zu können. Es handelte sich damals um die Entscheidung von gewissen Gruppen, den politisch-rechtlichen Weg zu nützen, um ihre Interessen durchzusetzen, womit sie (vorläufig) auch Erfolg hatten. So weit, so klar, und auch zu akzeptieren. Ob die Entscheidung die Grenzen des übergeordneten konstitutionellen Rahmens beachtet oder diese sprengt, muss der spanische Verfassungsgerichtshof entscheiden.

Wie dem auch sei, die Entscheidung, die im katalanischen Parlament vor allem von den peripher-nationalistischen Parteien, sowohl ideologisch links als auch rechts, unterstützt wurde, hat am anderen Ende des zentral-peripheren Spektrums, namentlich bei der konservativen und traditionell zentralistischen Partido Popular (PP) eine starke Reaktion zugunsten der Stiere ausgelöst, die ohne das Verbot so wohl nicht gekommen wäre. Nun ist diese Partei in der bequemen Position, in beiden Häusern des nationalen Parlamentes eine stabile absolute Mehrheit zu halten, in 11 der 17 autonomen Gemeinschaften (Comunidades Autónomas) zu regieren und bei den letztjährigen Lokalwahlen ebenfalls stark zulegen konnte. Sie kann also ihre Politikinhalte relativ problemlos umsetzen und tut dies auch.

Nun haben sich in kurzem zeitlichen Abstand, ob Zufall oder nicht, zwei in der Hierarchie weit oben stehene Mitglieder der Partei zum Thema der Stiere geäußert. Eines davon war die kontroverse Präsidentin der autonomen Gemeinschaft Madrid, Esperanza Aguirre. Sie wurde von der Peña Taurina Las Majas de Goya aufgrund ihrer Beiträge zur Welt der Stiere ausgezeichnet und nützte die Gelegenheit, um zum wiederholten Male die Stiere öffentlich zu verteidigen: "Die Fiesta heute zu verteidigen heißt, die Freiheit zu verteidigen. Ich mag es weder, wenn man mir Leidenschaften aufzwängt, noch wenn man sie mir verbietet. Deshalb werde ich immer die Stiere und die Freiheit verteidigen." Desweiteren drückte sie ihre "Bewunderung für alle Toreros aufgrund ihres Mutes, ihrer Kunst, ihrer Intelligenz und des Beispiels an Kampf und Bestimmtheit, das sie uns zeigen" aus. Ebenfalls erwähnte sie den eben erst triumphal zurückgekehrten Juan José Padilla: "Er hat gezeigt, dass ein Torero niemals aufgibt." Unter den ebenfalls zu diesem Anlass Geehrten waren übrigens die Matadores Enrique Ponce, Iván Fandiño und Alejandro Talavante, der Novillero Sergio Flores sowie der Züchter Juan Pedro Domecq.

Der andere Vertreter der Partei, der sich in dieser Hinsicht äußerte, war der neue Kulturminister José Ignacio Wert. Er plant, die Stierkultur institutionell zu schützen. Zu diesem Zweck will er unter anderem die Comisión Consultiva Nacional de Asuntos Taurinos (dt. etwa Nationale Beratungskommission in Stierangelegenheiten) wiederbeleben. Dieses Organ wurde 1991 geschaffen und sollte der Regierung in diesen Materien beratend zur Seite stehen, kam aber dieser Aufgabe seit langer Zeit nicht nach und war inaktiv. Der Minister will es nun in ein "aktives Instrument, das dauerhafte Arbeit zur Beratung des Ministeriums" leistet, verwandeln. 

Die Kommission setzt sich aus Politikern sowie Persönlichkeiten aus dem betroffenen Sektor selbst zusammen. Vertreten sind die Ministerien für Wirtschaft und Finanzen, Arbeit und Sozialangelegenheiten, Agrikultur, Fischerei und Ernährung sowie Gesundheit und Konsum. Ebenfalls jeweils einen Vertreter entsenden die autonomen Gemeinschaften, deren insgesamt vier die Lokalverwaltungen. Dazu kommen zwei Veterinäre, vier Vertreter der Anhänger, zwei Vertreter der Toreros und jeweils einer für die Empresarios, das involvierte medizinische Personal sowie der Schulen, in denen die Toreros von morgen ausgebildet werden.

Der Schritt des Ministers wird als positiv aufgenommen, klar ist aber auch, dass noch viel praktische Arbeit und weitere politische Maßnahmen notwendig sind, um das Ziel, nämlich den kulturellen Wert der Stiertradition institutionell zu verankern, zu erreichen.


Quellen:
 



Las Fallas beginnen

Nach wochenlanger Polemik um die Bildrechte, also letztendlich um das liebe Geld, beginnt morgen endlich die Feria de las Fallas in Valencia selbst. Es handelt sich dabei um die erste Veranstaltung in einer Arena erster Kategorie in Spanien in diesem Jahr und um die erste der wichtigsten Ferias (neben Valencia noch diejenigen in Sevilla, Madrid, Pamplona, Bilbao und Saragossa). Man kann also vom richtigen Startschuss für die Temporada taurina sprechen. Simon Casas, der französische Empresario der Arena von Valencia, versprach eine "triumphale Feria".

Das Internetportal Mundotoro verfügt in diesem Zusammenhang über zwei spezielle Internetseiten: eine über die Plaza de Toros im Allgemeinen, eine andere über die Fallas selbst im Speziellen. Dort können in spanischer Sprache laufend Neuigkeiten abgefragt werden.

Freitag, 2. März 2012

Eine Rückkehr, die Wellen schlägt

Der Matador Juan José Padilla wird dieses Wochenende in die Arena zurück. Seine Wiederkehr löste nach seiner schweren Hornverletzung am 7. Oktober in Saragossa viel Interesse und positives Echo aus. Stellvertretend sei sein Kollege José María Manzanares zitiert: "Juan ist ein Vorbild für uns und die ganze Gesellschaft. Er und seine Familie haben viel gelitten, aber auch in jedem Moment die Fähigkeit zur Überwindung gezeigt und die Liebe von Juan José zu seinem Beruf. Bei seiner Rückkehr in Olivenza dabei zu sein, macht es auch für mich zu einem unvergesslichen Tag." 

Die Wellen, die seine Rückkehr ausgelöst hat, schwappen sogar bis auf die andere Seite des Atlantik. So hat auch die renommierte Tageszeitung New York Times ein Interview mit dem Matador veröffentlicht.

¡Suerte, Maestro!

Montag, 27. Februar 2012

Bilder aus vergangener Zeit

Nur wenige Jahre nach Erfindung der Kinematographie, also der Möglichkeit, bewegte Bilder festzuhalten, nahmen Geräte der Brüder Lumière, Pioniere auf diesem Gebiet, Szenen der traditionellen Osterprozessionen in Sevilla und einer Corrida de Toros in der Real Maestranza de Caballería auf. Die beeindruckenden Aufnahmen werden auf etwa das Jahr 1898 datiert. Faszinierend, wie sich diese kulturellen Ausdrucksformen seit langer Zeit kaum gewandelt haben und immer noch in einer ursprünglichen, authentischen Art und Weise kultiviert werden. Über die beteiligten Toreros und ähnliche Details ist leider nichts bekannt.