Mittwoch, 15. August 2012

"Der Torero rettete den Menschen"

Am 7. Oktober 2011 erlitt Juan José Padilla einen fürchterlichen Unfall in der Plaza de toros in Saragossa. Doch trotz der schweren Verletzungen, die er erlitt, so verlor er das Augenlicht des linken Auges und auch sein Gehörgang wurde schwer beschädigt, kehrte er bereits am 4. März 2012, also nicht einmal ganz 5 Monate, in Olivenza/Extremadura in das Ruedo zurück. Seitdem ist er wieder ganz normal als Matador tätig, obwohl er häufiger seine Saison unterbrechen muss, um Untersuchungen und Therapien über sich ergehen zu lassen. In der galizischen Tageszeitung Diario de Pontevedra äußerte er sich über den Vorfall, seine Rückkehr, seinen Stil und den seiner Berufskollegen und seinen körperlichen Zustand.

"Es ist eine neue Etappe meines Lebens. Ich bin sehr stolz und zufrieden, vor allem wegen der Entwicklung, die ich durchlaufen habe. Ehrlich gesagt hat das niemand erwartet, es ist fast ein Wunder, sowohl die Erholung als auch die laufende Saison. Es ist ein wunderbarer Moment und ich erfreue mich an meinem Beruf. Alles kehrt zur Normalität zurück, wie zuvor, aber mit einer gewaltigen Freude und Zufriedenheit, an jedem Nachmittag, den ich meiner Famile und der Afición widmen kann", beschreibt er seine derzeitige Gefühlslage.

Sofort nach dem schweren Vorfall, als klar wurde, dass er überleben würde, gab er bekannt, dass er unbedingt zurückkehren wollte. "Ich würde mein Leben ohne meinen Beruf nicht verstehen, und Gott gab mir die Gelegenheit. Der Verlust eines Auges wird nicht der Grund sein, meinen Beruf aufzugeben. Ich wurde schon oft vom Stier erwischt, aber dieser Vorfall wurde aufgrund seiner Schwere eine größere mediale Wirkung. Aber ich denke, dass ich sobald ich wieder Licht sehe, zurückkehren muss. Der Torero rettete den Menschen. Meine Situation war psychologisch heikel, ich war deprimiert und die Vorfreude, wieder als Torero zu arbeiten, gab mir die Möglichkeit, wieder so glücklich zu sein wie ich jetzt bin."


Er sagt, dass er auch keine Angst hat, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen könnte: "Daran denkt man logischerweise nicht. Heute gibt es viele Möglichkeiten, solche Missgeschicke zu überwinden und an die ruhmreichen Abende zu denken. Deshalb bereiten wir uns physisch und technisch gut vor. Daran denkt man, an die Vorbereitung."

Über den Stier denkt er nicht negativ: "Es ist sein Recht und seine Pflicht. Wir Toreros wählen diesen Beruf aus und wir wissen, dass es Orte und Momente gibt, in denen man sein Leben riskiert. Es ist wie ein Münzwurf, manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Der Stier ermöglicht dir an manchen Abenden Triumphe, Ruhm und Glaubwürdigkeit; und an manchen muss man Tribut zollen. Deshalb ist dieser Beruf so groß, würdig und wahrhaftig", erläutert er, und fährt fort über die Anforderungen an seinen Berufsstand: "Er muss die Fähigkeiten haben, alles aus dem Tier herauszuholen und damit das Publikum anzustecken. An einem Stier muss man sich erfreuen und auch dafür sorgen, dass sich das Publikum daran erfreut."


Über seinen eigenen Stil erzählt er: "Mein Ziel war es immer, Ehrlichkeit, Wahrheit und Authentizität zu vermitteln. Grundsätzlich ist das Engagement immer das Wichtigste. Es gibt eine große Vielzahl an Toreros mit unterschiedlichen Tugenden, einige gefallen diesen Aficionados, die anderen jenen. Der Aficionado hat also die Möglichkeit aus dieser Vielfalt auszuwählen, in der es Kunst, Ausdruck, Gefühl, Varietät, Mut, und, was für mich jeden Abend am wichtigsten ist, das Engagement, gibt. Von dieser Basis aus kann man am Torero alles, was er macht, bewundern. Das füllt die Arena und kommt zum Publikum, das ist am wichtigsten."

Einige Sätze verlor er auch über seinen Gesundheitszustand: "Gestern musste ich wieder zur Untersuchung. Man muss den Gehörgang ständig untersuchen, aber er entwickelt sich ziemlich gut. Ich denke, dass ich nach einigen weiteren Behandlungen einen freien Gehörgang haben werde und somit ein natürliches Gehör. Aber wenn man in der Arena ist, ist das Gehör ohnehin nicht so wichtig. Den Applaus des Publikums spürt man mehr, als dass man ihn hört. Es ist ein Sinn von Emotion und Freude, der sich in Zufriedenheit und Stolz verwandelt, wenn man die Leute sieht, die sich über meine Rückkehr in die Arena freuen. Und ich bringe mich voll ein, weil es sich das Publikum verdient."


Quelle: Diario de Pontevedra, 2.8.2012: "El torero salvó al hombre"


Fotos: eigene, aufgenommen am 10. Juli 2011 in Pamplona

Montag, 13. August 2012

Offener Brief an Juan Manuel Santos

Eine Gruppe von Toreros sandte folgenden Brief an Juan Manuel Santos, den Präsidenten der Republik Kolumbien:

"Wir, die Unterzeichner, wählten den Beruf, den wir heute ausüben unter Inanspruchnahme der Rechte und Garantien, die uns die demokratischen Staaten, in denen wir geboren wurden und in denen wir leben, gewähren, weil er durch das Gesetz und die übergeordneten Verfassungsnormen geschützt ist.  

Unser Beruf, den wir außerdem mit Solz ausüben, steht mit ethischen und moralischen Prinzipien im Einklang. Er respektiert Rechte und Freiheiten der Menschen, aber vor allem erlaubt er uns, mit der Gesellschaft verbunden zu sein und zu ihrer Entwicklung beizutragen.

 Miguel Ángel Perera, hier in Valencia, ist einer der Unterzeichner des Briefes

Wir Unterzeichner sind Toreros. Unser Beruf trägt zum Wirtschaftswachstum -formal und informal- in den Ländern, in denen der Toreo verwurzelt ist, bei und ist ein Teil kultureller Identität und Reichtum. Eines dieser Länder ist Kolumbien.

Außerdem repräsentieren wir Toreros eine Berufsgruppe und  Einzelpersonen die mit einer wirtschaftlichen und unternehmerischen Tätigkeit erster Güte verbunden sind, die Reichtum für unsere Länder schafft. Mit unserem Beruf sehen wir nicht nur unser Recht auf Arbeit und die Meinungsfreiheit, zwei Grundpfeiler einer Demokratie, verwirklicht. Vielmehr fanden tausende Personen aller sozialen Klassen, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in diesen Sektor einbringen, so die Möglichkeit, ihr Wohlergehen und das ihrer Familien zu garantieren.

Wir, die Toreros, repräsentieren auch Werte und Tugenden die man gut zu einem Modell für die Gemeinschaft zusammenfassen kann. Währende des Laufes der Geschichte, hatten wir und diejenigen, die uns begleiteten und inspirierten, das Glück, Volkshelden zu sein und Vorbilder zu werden für die jungen Generationen, die zum Wachstum und zur Entwicklung der Gesellschaft, in der sie leben, beitragen wollen. Wir waren solidarisch mit den Bedürtigsten, wir haben mit unserer Kunst dazu beigetragen, dass viele Menschen im Unglück die Möglichkeit bekamen, ihre jeweiligen Widrigkeiten zu überwinden.
Auch Enrique Ponce, hier während eines Festivals in Granada, fordert Freiheit für sich und seine Berufskollegen

Wir, die Toreros, und die Staatsbürger, die wir repräsentieren, sind respektvoll mit der Umwelt. Wir sind Teil einer landwirtschaftlichen Aktivität deren einziges Ziel es ist, die Existenz einer Spezies sowie seines Lebensraumes und natürlichen Umfelds, in dem sie gezüchtet wird, zu verteidigen und sicherzustellen.

Aber wir beobachten mit Sorge wie uns ein Teil der Bevölkerung stigmatisierte, unsere Grundrechte auf Ehre und den guten Ruf  verletzte und, was das Schlimmste ist, versucht, uns aus der Gesellschaft auszuschließen.

Deshalb wenden wir uns an Sie. Wir kennen Ihre intellektuelle Offenheit sowie Ihre demokratische und progressive Art, die in vielen Entscheidungen und Reformen, die während der ersten Jahre Ihrer Regierung umgesetzt wurden, zum Vorschein kommen. Unser einziges Anliegen ist, als aktive Mitglieder der Gesellschaft, die Sie vertreten, anerkannt zu werden.

Wir wissen beretis, dass die Prioritäten des Landes verhindern, dass sich eine Person Ihrer Würde um ein Problem kümmert, das leicht gelöst werden könnte. Aber es würde uns freuen, wenn Sie uns in Ihrem Amtssitz empfingen, uns kennenlernten und wir so die Möglichkeit hätten, Ihnen unsere Unterstützung und unseren Weg hin zu einem Gesellschaftsmodell, das Sie für Kolumbien vorschlugen, zu zeigen. Ein Land, das wir lieben und respektieren, ein Land, das wir als unser eigenes wahrnehmen, auch wenn wir nicht innerhalb seiner Grenzen geboren wurden.

-Luis Bolívar
-Julián López 'El Juli'
-José Antonio Morante Camacho, 'Morante de la Puebla'
-Enrique Ponce
-José María Manzanares
-Miguel Ángel Perera
-Sebastián Castella"


Quelle: Revista Aplausos, 13.8.2012.: Las figuras piden audiencia al presidente de Colombia.

Mittwoch, 1. August 2012

"Die Politiker entzogen mir das Leben"

Der katalanische Matador Serafín Marín sprach mit der spanischen Tageszeitung El País über das Verbot der Stiere in seiner Heimat Katalonien, eine mögliche Rückkehr und seine allgemeine Gefühlslage unter den herrschenden Umständen:

"Serafín Marín, der einzige aktive katalanische Matador, wird den Morgen des 28. Juli 2010 nicht so leicht vergessen, als das Parlament Kataloniens mit 68 Ja-Stimmen, 55 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen das Verbot der Corrida in dieser Autonomen Gemeinschaft beschloss. Von der Tribüne aus verfolgte er mit Überraschung, Ungläubigkeit und Verzweiflung die endgültige Entscheidung. 'Es war ein sehr trauriger Tag', sagt er. 'Ich fühlte, wie mir die Politiker das Leben entzogen.

An jenem Tag beendete man die lange und intensive Beziehung zwischen Katalonien und der Fiesta de los Toros, dieim Jahr 1387 begann. Lange danach, im Jahr 1834, wurde die erste Plaza de Toros in Barcelona eröffnet, und die Fiesta erreichte einen derartigen Höhepunkt, dass der außerordentliche Umstand eintrat, dass zwischen 1914 und 1923 drei verschiedene Plazas in der Stadt gleichzeitig genützt wurden.* Später erschien Pedro Balañá, der wichtigste Empresario taurino der Geschichte, und verwandelte Barcelona in die Welthauptstadt des Toreo. Doch die Gewohnheiten änderten sich, und was fest verwurzelt erschien, stürzte ein, unterstützt vom Nationalismus, der den Rückgang der Afición und die Nachlässigkeit der Taurinos ausnützte, um eine fanatische Kampagne zu starten, die mit dem Verbot endete. 

Serafín Marín wurde kraft seines Amtes zum Symbol des katalanischen Taurinismo. Am 19. Mai 2010, während der Feria de San Isidro, erschien er in Las Ventas eingehüllt in die offizielle katalanische Flagge als Parade-Capote und bedeckt mit der Barretina, eine klare, fordernde Geste. Auf diese Weise wurde ihm auch in der Monumental in Barcelona zugejubelt, besonders am Abend des 25. September 2011, als er, Juan Mora und José Tomás am letzten Paseíllo teilnahmen, bevor man die Tore der letzten katalanischen Arena, in der noch Stierveranstaltungen abgehalten wurden, endgültig schloss.

'Das war eine sehr traurige Corrida', erinnert sich Marín. 'Es gab sehr viele Emotionen, und ehrlich gesagt fühlte ich mich sehr schlecht. Ich hätte nicht hingehen sollen.'

Serafín Marín spricht mit tiefer Melancholie, gekränkt, trotz der bereits vergangenen Zeit. Es ist so schlimm, dass er zugibt, nicht auszuschließen, Katalonien zu verlassen, wo er noch in seinem Heimatort Moncada lebt, mit seinen Eltern, die aus Jáen stammen.

'Ich bin kein Illegaler, aber ich fühle mich, als ob ich einer wäre', fügt er hinzu. 'Das einzige, was ich tun kann, ist trainieren, weil das nicht verboten ist, und ich tue es jeden Tag, mit einer Gruppe von sieben oder acht Novilleros, die noch nicht die Hoffnung verloren haben, dass eines Tages die Stiere in dieses Land zurückkehren.

Er wäre auch gerne davon überzeugt, und obwohl er weiterhin hofft, dass die Verfassungsklage, die von der PP eingereicht wurde oder die 500.000 Unterschriften, die dem Kongress bereits vorliegen, und die das Ziel haben, die Stiere zum Kulturgut zu erklären, fruchten, erkennt er an, dass es sehr schwierig ist, dass die Festejos Taurinos nach Katalonien zurückkehren.

Der Torero riss sich zusammen und macht weiter, in einer Saison, die ihm sehr schwer fällt. Alleine und in einer Region, die ihm den Brotberuf verbat. Aber Serafín Marín ist daran gewöhnt, letztendlich hat ihn kein einziger Torero begleitet auf seinem Kreuzzug für die Stiere. 'Ja, es hat mich niemand wirklich unterstützt; und nicht nur von den Toreros, sondern auch aus anderen Sektoren.'"

Quelle: El Páis, 26. Juli 2012: “Los políticos me arrancaron la vida”.


* Vergleiche dazu den Beitrag "Ende einer Ära".