Das Verbot der Corrida de Toros in Katalonien soll hier nicht zum Dauerthema werden. Allerdings ist es notwendig, kurz darauf einzugehen, um die Umstände der folgenden Informationen besser verstehen zu können. Es handelte sich damals um die Entscheidung von gewissen Gruppen, den politisch-rechtlichen Weg zu nützen, um ihre Interessen durchzusetzen, womit sie (vorläufig) auch Erfolg hatten. So weit, so klar, und auch zu akzeptieren. Ob die Entscheidung die Grenzen des übergeordneten konstitutionellen Rahmens beachtet oder diese sprengt, muss der spanische Verfassungsgerichtshof entscheiden.
Wie dem auch sei, die Entscheidung, die im katalanischen Parlament vor allem von den peripher-nationalistischen Parteien, sowohl ideologisch links als auch rechts, unterstützt wurde, hat am anderen Ende des zentral-peripheren Spektrums, namentlich bei der konservativen und traditionell zentralistischen Partido Popular (PP) eine starke Reaktion zugunsten der Stiere ausgelöst, die ohne das Verbot so wohl nicht gekommen wäre. Nun ist diese Partei in der bequemen Position, in beiden Häusern des nationalen Parlamentes eine stabile absolute Mehrheit zu halten, in 11 der 17 autonomen Gemeinschaften (Comunidades Autónomas) zu regieren und bei den letztjährigen Lokalwahlen ebenfalls stark zulegen konnte. Sie kann also ihre Politikinhalte relativ problemlos umsetzen und tut dies auch.
Nun haben sich in kurzem zeitlichen Abstand, ob Zufall oder nicht, zwei in der Hierarchie weit oben stehene Mitglieder der Partei zum Thema der Stiere geäußert. Eines davon war die kontroverse Präsidentin der autonomen Gemeinschaft Madrid, Esperanza Aguirre. Sie wurde von der Peña Taurina Las Majas de Goya aufgrund ihrer Beiträge zur Welt der Stiere ausgezeichnet und nützte die Gelegenheit, um zum wiederholten Male die Stiere öffentlich zu verteidigen: "Die Fiesta heute zu verteidigen heißt, die Freiheit zu verteidigen. Ich mag es weder, wenn man mir Leidenschaften aufzwängt, noch wenn man sie mir verbietet. Deshalb werde ich immer die Stiere und die Freiheit verteidigen." Desweiteren drückte sie ihre "Bewunderung für alle Toreros aufgrund ihres Mutes, ihrer Kunst, ihrer Intelligenz und des Beispiels an Kampf und Bestimmtheit, das sie uns zeigen" aus. Ebenfalls erwähnte sie den eben erst triumphal zurückgekehrten Juan José Padilla: "Er hat gezeigt, dass ein Torero niemals aufgibt." Unter den ebenfalls zu diesem Anlass Geehrten waren übrigens die Matadores Enrique Ponce, Iván Fandiño und Alejandro Talavante, der Novillero Sergio Flores sowie der Züchter Juan Pedro Domecq.
Der andere Vertreter der Partei, der sich in dieser Hinsicht äußerte, war der neue Kulturminister José Ignacio Wert. Er plant, die Stierkultur institutionell zu schützen. Zu diesem Zweck will er unter anderem die Comisión Consultiva Nacional de Asuntos Taurinos (dt. etwa Nationale Beratungskommission in Stierangelegenheiten) wiederbeleben. Dieses Organ wurde 1991 geschaffen und sollte der Regierung in diesen Materien beratend zur Seite stehen, kam aber dieser Aufgabe seit langer Zeit nicht nach und war inaktiv. Der Minister will es nun in ein "aktives Instrument, das dauerhafte Arbeit zur Beratung des Ministeriums" leistet, verwandeln.
Die Kommission setzt sich aus Politikern sowie Persönlichkeiten aus dem betroffenen Sektor selbst zusammen. Vertreten sind die Ministerien für Wirtschaft und Finanzen, Arbeit und Sozialangelegenheiten, Agrikultur, Fischerei und Ernährung sowie Gesundheit und Konsum. Ebenfalls jeweils einen Vertreter entsenden die autonomen Gemeinschaften, deren insgesamt vier die Lokalverwaltungen. Dazu kommen zwei Veterinäre, vier Vertreter der Anhänger, zwei Vertreter der Toreros und jeweils einer für die Empresarios, das involvierte medizinische Personal sowie der Schulen, in denen die Toreros von morgen ausgebildet werden.
Der Schritt des Ministers wird als positiv aufgenommen, klar ist aber auch, dass noch viel praktische Arbeit und weitere politische Maßnahmen notwendig sind, um das Ziel, nämlich den kulturellen Wert der Stiertradition institutionell zu verankern, zu erreichen.
Quellen:
Mundotoro, 9.3.2012: 'Proteger la Fiesta hoy es proteger la libertad'
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