Freitag, 25. Juli 2014

... bis der Körper aufgibt.

Der argentinische Musiker Andrés Calamaro (*1961 in Buenos Aires) ist aktuell einer der firmsten Verteidiger der Stierkunst. Seine Überzeugung stellte er beispielsweise 2010 live im spanischen Fernsehen unter Beweis, als er sich in der mittlerweile eingestellten Sendung Buenafuente von der politischen Linken lossagte, weil diese das katalanische Verbot der Corridas in der Arena unterstützt hatte. Selbstverständlich lässt er sich auch regelmäßig selbst in der Arena blicken, beispielsweise hier mit Francisco Rivera Ordóñez "Paquirri". 

Calamaro und Paquirri

In einem Interview mit dem spanischen Kulturmagazin El Cultural  sprach er, neben Themen wie sein neues Album, auch über die Stiere. Auf die Frage, was ihn an ihnen besonders anzieht, betonte er: "Außerhalb des Flamencos und der Tauromaquia wirkt alles oberflächlich und seicht. Ich glaube nicht, dass die Tauromaquia meiner Verteidigung bedarf, da es ein reiches und vollständiges Universum ist, voll von Wirklichkeit, Geschichte und Erklärungen. Die Welt der Stiere hat mir ihre Türen und Tore geöffnet, das ist für mich ein unermessliches Privileg. Es ist eine eigene Welt. Ich bin zu weit weg von diesem Universum geboren, aber ich bin dabei, zu sehen und die leise Musik zu hören."

Zum Schluss des Interviews verglihc er noch explizit die Rolle des Musikers mit der des Toreros: "Ich nehme an, dass Musiker und Toreros so lange weitermachen wollen, wie es und der Körper erlaubt, uns mit Würde zu entfalten." 


Link:



Andrés Calamaro


 



Sonntag, 28. Oktober 2012

Europa zahlt weiterhin Subventionen

Das Europäische Parlament beschloss, die Subventionen für die Kampfstierzucht beizubehalten. Die genaue Summe wurde noch nicht bekanntgegeben, aber sie wird in den nächsten Monaten, sobald man gesamte Budget für 2013 bekannt wird, veröffentlicht.

Die sozialistische Europaabgeordnete Bernadette Vergnaud gab an, dass man dafür kämpfe "dass die Summe an Subventionen mindestens so hoch ist wie die diesjährige." Trotz der "Antitaurinos in Spanien, Frankreich und dem Rest Europas war die Abstimmung positiver als die im letzten Jahr."

Die Abgeordnete weisdt darauf hin, dass die Beibehaltung der Subventionen "eine gute Nachricht für die Züchter ist, da wir wissen, mit welchen Schwierigkeiten sie derzeit konfrontiert sind." Außerdem gebe es hinter dem Stier "tausende Arbeitsplätze, die wir in der derzeitigen Situation nicht verlieren können."


Quelle: Mundotoro, 28.10.2012: Europa mantendrá las subvenciones al toro.

Freitag, 21. September 2012

Frankreich schützt seine kulturelle Vielfalt

Nach dem politischen Schutz folgte nun auch der juristische. Das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel) bestätigte heute die Verfassungsmäßigkeit der Stiertradition im Süden der Republik. Die Entscheidung ist die Reaktion auf eine Beschwerde verschiedener Tierrechtsorganisationen, die gegen die Ausnahmen, die das französische Strafrecht enthält, geklagt hatten. Ohne diese Ausnahmen wäre die Veranstaltung von Stierfesten in Frankreich illegal. Das Gericht bestätigte nun deren Rechtmäßigkeit.

Diese Entscheidung stellt einen wichtigen strategischen Sieg dar, denn laut Urteil handle es sich bei der Fiesta de los Toros im Süden Frankreichs um eine "ununterbrochene lokale Tradition", die vollständig unantastbar sei, weshalb das Gericht die Rechtmäßigkeit der bestehenden Normen bestätigte.

Die Fiesta genießt in Frankreich mittlerweile höchsten Schutz, sie ist gesetzlich erlaubt, durch die Jurisprudenz bestätigt, im Nationalen Kulturerbe festgehalten und nun auch verfassungsmäßig geschützt. Auch Premierminister Jean Marc Heyraut stellte sich gegen die Tieraktivisten und auf die Seite der Fiesta Brava.

Dementsprechend erfreut zeigte sich auch André Viard, Präsident der Organisation Observatoire National des Cultures Taurines: "Diese Grundsatzentscheidung, die noch in keinem anderen Land gefällt wurde, wird es unserer Organisation erlauben, die Aficionados vor der wachsenden Radikalisierung kleiner, fanatischer Gruppen zu schützen, die nicht einmal davor zurückschreckten, während des Verfahrens das Gericht zu bedrohen. Sie erklärten, dass dieses, wenn es die Fiesta nicht verböte, für schwere Unruhen von Aktivisten, die das Verbot fordern, vor den Arenen verantwortlich wäre. 

Dank der Entscheidung des Gerichtes genießt die Fiesta von jetzt an den maximalen Schutz von offizieller Seite. Sie schützt unsere Rechte und wir werden nicht erlauben, dass Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen die Aficionados zunehmen. Die Gemeinschaft der Aficionados, die in Frankreich eine Minderheit ist, wird ab sofort nicht mehr zulassen, dass ein fanatischer Sektor von Tierrechtlern ein Klima des kulturellen Pogroms, das den universellen Werten der Republik entgegensteht, schürt. 

Wir werden das Innenministerium bitten, die Demonstrationen der Tierrechtler um die Arenen in einer größeren Zone als bisher zu verbieten, und dass auf die radikalsten Gruppen das existierende Gesetz gegen Fußballhooligans angewandt wird. Natürlich werden wir auch die Medien auf ihre strafrechtliche Verantwortung hinweisen, wenn sie, wie es derzeit geschieht, die Lügen und Beleidigungen der Tieraktivisten gegen die Fiesta weiterverbreiten.

Hoffentlich wird dieses historische Urteil auch positive Auswirkungen auf Spanien und andere Länder mit Stiertradition haben, für das Wohl der Fiesta und der Aficionados. Laut einer Umfrage, die diesen Donnerstag veröffentlich wurde, sind 52% der Franzosen für oder zumindest nicht gegen die Existenz der Fiesta in den Regionen, die diese Tradition teilen. In diesen Regionen selbst steigt dieser Anteil auf 61%."

Auch Geneviève Darrieussecq, Bürgermeisterin von Mont-de-Marsan und Präsidentin der Union des Villes Taurines Françaises (Vereinigung der französischen Städte mit Stiertradition), äußerte sich sehr anerkennend über das Urteil: "Die Anerkennung durch den Conseil constitutionnel der Tauromaquia als eigenen kulturellen Bestand bestimmer Regionen der Republik stärkt die Bürgermeister, die ich vertrete, in ihren Überzeugungen: diese Kultur muss geschützt werden, wie alle Minderheitenkulturen. Mit seiner üblichen Weisheit hat der Conseil constitutionnel ein Beispiel für Toleranz gegeben und seinen Respekt für die kulturelle Vielfalt unseres Landes unter Beweis gestellt. 

Die gemeinsame Tätigkeit des Observatoire National des Cultures Taurines und unserer Organisation hat gezeigt, dass die Stierkultur alle politischen Klischees überwindet, denn immerhin schrieb die vorherige Regierung die Fiesta in das nationale Kulturerbe und die derzeitige verteidigte entschieden ihr verfassungsmäßiges Existenzrecht. Und die Bürgermeister der Vereinigung, die ich repräsentiere, gehören zu allen politischen Parteien."


Quellen:



Montag, 3. September 2012

Um 6 Uhr Nachmittag

Zum ersten Mal seit 2006 überträgt das spanische öffentlich-rechtliche Fernsehen RTVE (Radiotelevisión Española) wieder live eine Corrida de toros. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 5. September, ab 18:00 Uhr statt. Den Stieren aus der Madrider Zucht Victoriano del Río stehen die Toreros Julian López "El Juli", José María Manzanares und Alejandro Talavante gegenüber. RTVE übertägt live aus der Plaza de Toros in Valladolid (Castilla-León).

Der Übertragung kann neben Satellit auch über Internet gefolgt werden. Der Link zur Übertragung ist http://www.rtve.es/noticias/directo-la-1/.

 
Plaza de Toros de Valladolid

Mittwoch, 15. August 2012

"Der Torero rettete den Menschen"

Am 7. Oktober 2011 erlitt Juan José Padilla einen fürchterlichen Unfall in der Plaza de toros in Saragossa. Doch trotz der schweren Verletzungen, die er erlitt, so verlor er das Augenlicht des linken Auges und auch sein Gehörgang wurde schwer beschädigt, kehrte er bereits am 4. März 2012, also nicht einmal ganz 5 Monate, in Olivenza/Extremadura in das Ruedo zurück. Seitdem ist er wieder ganz normal als Matador tätig, obwohl er häufiger seine Saison unterbrechen muss, um Untersuchungen und Therapien über sich ergehen zu lassen. In der galizischen Tageszeitung Diario de Pontevedra äußerte er sich über den Vorfall, seine Rückkehr, seinen Stil und den seiner Berufskollegen und seinen körperlichen Zustand.

"Es ist eine neue Etappe meines Lebens. Ich bin sehr stolz und zufrieden, vor allem wegen der Entwicklung, die ich durchlaufen habe. Ehrlich gesagt hat das niemand erwartet, es ist fast ein Wunder, sowohl die Erholung als auch die laufende Saison. Es ist ein wunderbarer Moment und ich erfreue mich an meinem Beruf. Alles kehrt zur Normalität zurück, wie zuvor, aber mit einer gewaltigen Freude und Zufriedenheit, an jedem Nachmittag, den ich meiner Famile und der Afición widmen kann", beschreibt er seine derzeitige Gefühlslage.

Sofort nach dem schweren Vorfall, als klar wurde, dass er überleben würde, gab er bekannt, dass er unbedingt zurückkehren wollte. "Ich würde mein Leben ohne meinen Beruf nicht verstehen, und Gott gab mir die Gelegenheit. Der Verlust eines Auges wird nicht der Grund sein, meinen Beruf aufzugeben. Ich wurde schon oft vom Stier erwischt, aber dieser Vorfall wurde aufgrund seiner Schwere eine größere mediale Wirkung. Aber ich denke, dass ich sobald ich wieder Licht sehe, zurückkehren muss. Der Torero rettete den Menschen. Meine Situation war psychologisch heikel, ich war deprimiert und die Vorfreude, wieder als Torero zu arbeiten, gab mir die Möglichkeit, wieder so glücklich zu sein wie ich jetzt bin."


Er sagt, dass er auch keine Angst hat, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen könnte: "Daran denkt man logischerweise nicht. Heute gibt es viele Möglichkeiten, solche Missgeschicke zu überwinden und an die ruhmreichen Abende zu denken. Deshalb bereiten wir uns physisch und technisch gut vor. Daran denkt man, an die Vorbereitung."

Über den Stier denkt er nicht negativ: "Es ist sein Recht und seine Pflicht. Wir Toreros wählen diesen Beruf aus und wir wissen, dass es Orte und Momente gibt, in denen man sein Leben riskiert. Es ist wie ein Münzwurf, manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Der Stier ermöglicht dir an manchen Abenden Triumphe, Ruhm und Glaubwürdigkeit; und an manchen muss man Tribut zollen. Deshalb ist dieser Beruf so groß, würdig und wahrhaftig", erläutert er, und fährt fort über die Anforderungen an seinen Berufsstand: "Er muss die Fähigkeiten haben, alles aus dem Tier herauszuholen und damit das Publikum anzustecken. An einem Stier muss man sich erfreuen und auch dafür sorgen, dass sich das Publikum daran erfreut."


Über seinen eigenen Stil erzählt er: "Mein Ziel war es immer, Ehrlichkeit, Wahrheit und Authentizität zu vermitteln. Grundsätzlich ist das Engagement immer das Wichtigste. Es gibt eine große Vielzahl an Toreros mit unterschiedlichen Tugenden, einige gefallen diesen Aficionados, die anderen jenen. Der Aficionado hat also die Möglichkeit aus dieser Vielfalt auszuwählen, in der es Kunst, Ausdruck, Gefühl, Varietät, Mut, und, was für mich jeden Abend am wichtigsten ist, das Engagement, gibt. Von dieser Basis aus kann man am Torero alles, was er macht, bewundern. Das füllt die Arena und kommt zum Publikum, das ist am wichtigsten."

Einige Sätze verlor er auch über seinen Gesundheitszustand: "Gestern musste ich wieder zur Untersuchung. Man muss den Gehörgang ständig untersuchen, aber er entwickelt sich ziemlich gut. Ich denke, dass ich nach einigen weiteren Behandlungen einen freien Gehörgang haben werde und somit ein natürliches Gehör. Aber wenn man in der Arena ist, ist das Gehör ohnehin nicht so wichtig. Den Applaus des Publikums spürt man mehr, als dass man ihn hört. Es ist ein Sinn von Emotion und Freude, der sich in Zufriedenheit und Stolz verwandelt, wenn man die Leute sieht, die sich über meine Rückkehr in die Arena freuen. Und ich bringe mich voll ein, weil es sich das Publikum verdient."


Quelle: Diario de Pontevedra, 2.8.2012: "El torero salvó al hombre"


Fotos: eigene, aufgenommen am 10. Juli 2011 in Pamplona

Montag, 13. August 2012

Offener Brief an Juan Manuel Santos

Eine Gruppe von Toreros sandte folgenden Brief an Juan Manuel Santos, den Präsidenten der Republik Kolumbien:

"Wir, die Unterzeichner, wählten den Beruf, den wir heute ausüben unter Inanspruchnahme der Rechte und Garantien, die uns die demokratischen Staaten, in denen wir geboren wurden und in denen wir leben, gewähren, weil er durch das Gesetz und die übergeordneten Verfassungsnormen geschützt ist.  

Unser Beruf, den wir außerdem mit Solz ausüben, steht mit ethischen und moralischen Prinzipien im Einklang. Er respektiert Rechte und Freiheiten der Menschen, aber vor allem erlaubt er uns, mit der Gesellschaft verbunden zu sein und zu ihrer Entwicklung beizutragen.

 Miguel Ángel Perera, hier in Valencia, ist einer der Unterzeichner des Briefes

Wir Unterzeichner sind Toreros. Unser Beruf trägt zum Wirtschaftswachstum -formal und informal- in den Ländern, in denen der Toreo verwurzelt ist, bei und ist ein Teil kultureller Identität und Reichtum. Eines dieser Länder ist Kolumbien.

Außerdem repräsentieren wir Toreros eine Berufsgruppe und  Einzelpersonen die mit einer wirtschaftlichen und unternehmerischen Tätigkeit erster Güte verbunden sind, die Reichtum für unsere Länder schafft. Mit unserem Beruf sehen wir nicht nur unser Recht auf Arbeit und die Meinungsfreiheit, zwei Grundpfeiler einer Demokratie, verwirklicht. Vielmehr fanden tausende Personen aller sozialen Klassen, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in diesen Sektor einbringen, so die Möglichkeit, ihr Wohlergehen und das ihrer Familien zu garantieren.

Wir, die Toreros, repräsentieren auch Werte und Tugenden die man gut zu einem Modell für die Gemeinschaft zusammenfassen kann. Währende des Laufes der Geschichte, hatten wir und diejenigen, die uns begleiteten und inspirierten, das Glück, Volkshelden zu sein und Vorbilder zu werden für die jungen Generationen, die zum Wachstum und zur Entwicklung der Gesellschaft, in der sie leben, beitragen wollen. Wir waren solidarisch mit den Bedürtigsten, wir haben mit unserer Kunst dazu beigetragen, dass viele Menschen im Unglück die Möglichkeit bekamen, ihre jeweiligen Widrigkeiten zu überwinden.
Auch Enrique Ponce, hier während eines Festivals in Granada, fordert Freiheit für sich und seine Berufskollegen

Wir, die Toreros, und die Staatsbürger, die wir repräsentieren, sind respektvoll mit der Umwelt. Wir sind Teil einer landwirtschaftlichen Aktivität deren einziges Ziel es ist, die Existenz einer Spezies sowie seines Lebensraumes und natürlichen Umfelds, in dem sie gezüchtet wird, zu verteidigen und sicherzustellen.

Aber wir beobachten mit Sorge wie uns ein Teil der Bevölkerung stigmatisierte, unsere Grundrechte auf Ehre und den guten Ruf  verletzte und, was das Schlimmste ist, versucht, uns aus der Gesellschaft auszuschließen.

Deshalb wenden wir uns an Sie. Wir kennen Ihre intellektuelle Offenheit sowie Ihre demokratische und progressive Art, die in vielen Entscheidungen und Reformen, die während der ersten Jahre Ihrer Regierung umgesetzt wurden, zum Vorschein kommen. Unser einziges Anliegen ist, als aktive Mitglieder der Gesellschaft, die Sie vertreten, anerkannt zu werden.

Wir wissen beretis, dass die Prioritäten des Landes verhindern, dass sich eine Person Ihrer Würde um ein Problem kümmert, das leicht gelöst werden könnte. Aber es würde uns freuen, wenn Sie uns in Ihrem Amtssitz empfingen, uns kennenlernten und wir so die Möglichkeit hätten, Ihnen unsere Unterstützung und unseren Weg hin zu einem Gesellschaftsmodell, das Sie für Kolumbien vorschlugen, zu zeigen. Ein Land, das wir lieben und respektieren, ein Land, das wir als unser eigenes wahrnehmen, auch wenn wir nicht innerhalb seiner Grenzen geboren wurden.

-Luis Bolívar
-Julián López 'El Juli'
-José Antonio Morante Camacho, 'Morante de la Puebla'
-Enrique Ponce
-José María Manzanares
-Miguel Ángel Perera
-Sebastián Castella"


Quelle: Revista Aplausos, 13.8.2012.: Las figuras piden audiencia al presidente de Colombia.

Mittwoch, 1. August 2012

"Die Politiker entzogen mir das Leben"

Der katalanische Matador Serafín Marín sprach mit der spanischen Tageszeitung El País über das Verbot der Stiere in seiner Heimat Katalonien, eine mögliche Rückkehr und seine allgemeine Gefühlslage unter den herrschenden Umständen:

"Serafín Marín, der einzige aktive katalanische Matador, wird den Morgen des 28. Juli 2010 nicht so leicht vergessen, als das Parlament Kataloniens mit 68 Ja-Stimmen, 55 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen das Verbot der Corrida in dieser Autonomen Gemeinschaft beschloss. Von der Tribüne aus verfolgte er mit Überraschung, Ungläubigkeit und Verzweiflung die endgültige Entscheidung. 'Es war ein sehr trauriger Tag', sagt er. 'Ich fühlte, wie mir die Politiker das Leben entzogen.

An jenem Tag beendete man die lange und intensive Beziehung zwischen Katalonien und der Fiesta de los Toros, dieim Jahr 1387 begann. Lange danach, im Jahr 1834, wurde die erste Plaza de Toros in Barcelona eröffnet, und die Fiesta erreichte einen derartigen Höhepunkt, dass der außerordentliche Umstand eintrat, dass zwischen 1914 und 1923 drei verschiedene Plazas in der Stadt gleichzeitig genützt wurden.* Später erschien Pedro Balañá, der wichtigste Empresario taurino der Geschichte, und verwandelte Barcelona in die Welthauptstadt des Toreo. Doch die Gewohnheiten änderten sich, und was fest verwurzelt erschien, stürzte ein, unterstützt vom Nationalismus, der den Rückgang der Afición und die Nachlässigkeit der Taurinos ausnützte, um eine fanatische Kampagne zu starten, die mit dem Verbot endete. 

Serafín Marín wurde kraft seines Amtes zum Symbol des katalanischen Taurinismo. Am 19. Mai 2010, während der Feria de San Isidro, erschien er in Las Ventas eingehüllt in die offizielle katalanische Flagge als Parade-Capote und bedeckt mit der Barretina, eine klare, fordernde Geste. Auf diese Weise wurde ihm auch in der Monumental in Barcelona zugejubelt, besonders am Abend des 25. September 2011, als er, Juan Mora und José Tomás am letzten Paseíllo teilnahmen, bevor man die Tore der letzten katalanischen Arena, in der noch Stierveranstaltungen abgehalten wurden, endgültig schloss.

'Das war eine sehr traurige Corrida', erinnert sich Marín. 'Es gab sehr viele Emotionen, und ehrlich gesagt fühlte ich mich sehr schlecht. Ich hätte nicht hingehen sollen.'

Serafín Marín spricht mit tiefer Melancholie, gekränkt, trotz der bereits vergangenen Zeit. Es ist so schlimm, dass er zugibt, nicht auszuschließen, Katalonien zu verlassen, wo er noch in seinem Heimatort Moncada lebt, mit seinen Eltern, die aus Jáen stammen.

'Ich bin kein Illegaler, aber ich fühle mich, als ob ich einer wäre', fügt er hinzu. 'Das einzige, was ich tun kann, ist trainieren, weil das nicht verboten ist, und ich tue es jeden Tag, mit einer Gruppe von sieben oder acht Novilleros, die noch nicht die Hoffnung verloren haben, dass eines Tages die Stiere in dieses Land zurückkehren.

Er wäre auch gerne davon überzeugt, und obwohl er weiterhin hofft, dass die Verfassungsklage, die von der PP eingereicht wurde oder die 500.000 Unterschriften, die dem Kongress bereits vorliegen, und die das Ziel haben, die Stiere zum Kulturgut zu erklären, fruchten, erkennt er an, dass es sehr schwierig ist, dass die Festejos Taurinos nach Katalonien zurückkehren.

Der Torero riss sich zusammen und macht weiter, in einer Saison, die ihm sehr schwer fällt. Alleine und in einer Region, die ihm den Brotberuf verbat. Aber Serafín Marín ist daran gewöhnt, letztendlich hat ihn kein einziger Torero begleitet auf seinem Kreuzzug für die Stiere. 'Ja, es hat mich niemand wirklich unterstützt; und nicht nur von den Toreros, sondern auch aus anderen Sektoren.'"

Quelle: El Páis, 26. Juli 2012: “Los políticos me arrancaron la vida”.


* Vergleiche dazu den Beitrag "Ende einer Ära".