In einem wirtschaftlich schwierigen Moment von einer Verónica von Morante oder einem Natural von José Tomás zu sprechen, mag wie ein Sakrileg erscheinen. Es hieße, einem feinen und flüchtigen Kunstwerk mit einem Preis zu versehen. Etwas derart Schönes zu kommerzialisieren ist allerdings keine Laune, sondern eine wirkliche Notwendigket der Welt der Stiere. Die Tauromaquia ist ein wirtschaftlicher Stimulus.
Ausgelöst wird das durch die letzte Kampfstrategie, derer sich die Abolitionisten bedienen: zu behaupten, dass die Fiesta eine "Laune weniger ist, die mit dem Geld von allen subventioniert wird. Doch nichts läge der Wirklichkeit ferner. Hier ist derjenige der zahlt, also der Aficionado, auch derjenige, der diesen Sektor hauptsächlich stützt. Um zu zeigen, dass der Fiesta heutzutage jegliche wirtschaftliche Unterstützung fehlt, muss man nur eine relativ einfache Aufgabe meistern, nämlich in den nationalen, regionalen und lokalen Budgets nachzuschlagen. Sollte es allerdings doch Ausgabeposten zugunsten der Tauromaquia geben, wäre der Saldo für die Staatskasse immer positiv.
In diesem Bereich, nennen wir ihn Tauroeconomía, sind die Arbeiten des Doktors der Wrtschaftswissenschaften und Professors für Ökonomische Theorie an der Universität von Extremadura Juan Medina (siehe auch hier). Zwischen seinen Vorlesungen widmet er seine Freizeit der Suche nach Daten in Originalquellen, um die "ökonomische Größe der Fiesta" zu zeigen, wie er es nennt. Der Ursprung seiner Nachforschungen liegt in der Notwendigkeit "die Freiheit, die Stiere zu sehen, gegenüber denen, die mit Unterstellungen und Lügen versuchen, ihre Moral als die einzig wahre aufzudrängen, zu verteidigen", begründet, führt der Professor an.
Mit seiner Arbeit hat er so das Kartenhaus der Antitaurinos, deren Existenz in der Autonomen Gemeinschaft Madrid in den letzten Zügen liegt, niedergerissen. "Die Tierschutzlobby hält daran fest, dass die Gemeinschaft die Stiere subventionieren würde, aber niemals erwähnen sie die Einnahmen, die die Fiesta erlöst", weist der Professor hin. Konkret sind im Budget der Gemeinschaft für 2012 Ausgaben von 2,2 Millionen Euro für Stieraktivitäten vorgesehen. Ein Betrag, der alleine durch die Pacht der Firma, die die Arena betreibt (Taurodelta, Anm.), gedeckt ist. Diese beläuft sich auf etwa 2,3 Millionen Euro.
Zur Pacht muss man die Summe, die durch die Umsatzsteuer eingenommen wird, hinzuzählen. Gemäß der Schätzungen von Dr. Medina, die Frucht der Arbeit sind, die er in früheren Jahren geleistet hatte, setzt alleine die Feria de San Isidro ein Volumen von etwa 50 Millionen Euro um. Davon entfallen etwa 17 Millionen auf den Verkauf der Eintrittskarten. Dadurch nimmt der über die Eintrittskarten etwa 1,5 Millionen Euro an Umsatzsteuer ein. Zusätzlich werden weitere 2 Millionen durch wirtschaftliche Tätigkeiten, die von der Feria ausgelöst werden, eingebracht. Insgesamt, ohne weitere Steuern und Abgaben miteinzubeziehen, nimmt die Gemeinschaft dank der Stiere fast 6 Millionen Euro ein. Von diesen profitieren alle Einwohner Madrids "inklusive der Antitaurinos", hält er ironisch fest.
Er zeigt also nicht nur, wie wenig Hilfe die Fiesta bekommt, in manchen Fällen lächerlich wenig, wenn man es beispielsweise mit den 92 Millionen Euro vergleicht, die dem Kino 2010 gewährt wurden, sondern er widerlegt auch die Argumente derjenigen, die sagen, dass Barcelona "gestorben" ist, weil es sich um eine unrentable Arena gehandelt hätte. Private Initiative und das Interesse des Publikums, das seinen Platz bezahlte, erhielten die Corridas in Barcelona. "Es gab überhaupt keine Subventionen und der Pächter machte weiter, weil er Gewinne erwirtschaftete", hält Medina fest. Die Schließung kann nicht mit mangelnder wirtschaftlicher Rentabilität erklärt werden, sondern dadurch, dass "ihr Parlament beschloss, über die Moral zu entscheiden. So wie ein theokratisches Parlament, anstatt zu erlauben, dass unterschiedliche Formen von Moral in einer pluralistischen und vielfältigen katalanischen Gesellschaft zusammenlebten," urteilt der Professor.
Desweiteren legt er sein Augenmerk auf die nationale Ebene. 2010 erreicht das Geldvolumen, das durch den Kartenverkauf umgesetzt wurde, 350 Millionen Euro. Diese Zahl wird nur durch die des Fußballs übertroffen, liegt aber weit über den 80 Millionen des Kinos und den 150 Millionen des Theaters. Wenn man zu den erwähnten Subventionen zurückkehrt, sieht man also, dass das Kino mehr Hilfe erhält, als es insgesamt an Ertrag einbringt.
Die Erträge durch die Stiere sind also auch für den Staat sehr wichtig. Doch dabei bleibt es noch nicht, man muss auch das Geschäftsvolumen hinzufügen, das durch die Stierveranstaltungen ausgelöst wird: Restaurants, Transport, Freizeit und andere Tätigkeiten. Dieser wirtschaftliche Ertrag wächst bemerkenswert.
Quelle:
La Razón, 15. Mai 2012: Los toros recaudan 4,3 veces más que el cine español.