Nach dem politischen Schutz folgte nun auch der juristische. Das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel) bestätigte heute die Verfassungsmäßigkeit der Stiertradition im Süden der Republik. Die Entscheidung ist die Reaktion auf eine Beschwerde verschiedener Tierrechtsorganisationen, die gegen die Ausnahmen, die das französische Strafrecht enthält, geklagt hatten. Ohne diese Ausnahmen wäre die Veranstaltung von Stierfesten in Frankreich illegal. Das Gericht bestätigte nun deren Rechtmäßigkeit.
Diese Entscheidung stellt einen wichtigen strategischen Sieg dar, denn laut Urteil handle es sich bei der Fiesta de los Toros im Süden Frankreichs um eine "ununterbrochene lokale Tradition", die vollständig unantastbar sei, weshalb das Gericht die Rechtmäßigkeit der bestehenden Normen bestätigte.
Die Fiesta genießt in Frankreich mittlerweile höchsten Schutz, sie ist gesetzlich erlaubt, durch die Jurisprudenz bestätigt, im Nationalen Kulturerbe festgehalten und nun auch verfassungsmäßig geschützt. Auch Premierminister Jean Marc Heyraut stellte sich gegen die Tieraktivisten und auf die Seite der Fiesta Brava.
Dementsprechend erfreut zeigte sich auch André Viard, Präsident der Organisation Observatoire National des Cultures Taurines: "Diese Grundsatzentscheidung, die noch in keinem anderen Land gefällt wurde, wird es unserer Organisation erlauben, die Aficionados vor der wachsenden Radikalisierung kleiner, fanatischer Gruppen zu schützen, die nicht einmal davor zurückschreckten, während des Verfahrens das Gericht zu bedrohen. Sie erklärten, dass dieses, wenn es die Fiesta nicht verböte, für schwere Unruhen von Aktivisten, die das Verbot fordern, vor den Arenen verantwortlich wäre.
Dank der Entscheidung des Gerichtes genießt die Fiesta von jetzt an den maximalen Schutz von offizieller Seite. Sie schützt unsere Rechte und wir werden nicht erlauben, dass Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen die Aficionados zunehmen. Die Gemeinschaft der Aficionados, die in Frankreich eine Minderheit ist, wird ab sofort nicht mehr zulassen, dass ein fanatischer Sektor von Tierrechtlern ein Klima des kulturellen Pogroms, das den universellen Werten der Republik entgegensteht, schürt.
Wir werden das Innenministerium bitten, die Demonstrationen der Tierrechtler um die Arenen in einer größeren Zone als bisher zu verbieten, und dass auf die radikalsten Gruppen das existierende Gesetz gegen Fußballhooligans angewandt wird. Natürlich werden wir auch die Medien auf ihre strafrechtliche Verantwortung hinweisen, wenn sie, wie es derzeit geschieht, die Lügen und Beleidigungen der Tieraktivisten gegen die Fiesta weiterverbreiten.
Hoffentlich wird dieses historische Urteil auch positive Auswirkungen auf Spanien und andere Länder mit Stiertradition haben, für das Wohl der Fiesta und der Aficionados. Laut einer Umfrage, die diesen Donnerstag veröffentlich wurde, sind 52% der Franzosen für oder zumindest nicht gegen die Existenz der Fiesta in den Regionen, die diese Tradition teilen. In diesen Regionen selbst steigt dieser Anteil auf 61%."
Auch Geneviève Darrieussecq, Bürgermeisterin von Mont-de-Marsan und Präsidentin der Union des Villes Taurines Françaises (Vereinigung der französischen Städte mit Stiertradition), äußerte sich sehr anerkennend über das Urteil: "Die Anerkennung durch den Conseil constitutionnel der Tauromaquia als eigenen kulturellen Bestand bestimmer Regionen der Republik stärkt die Bürgermeister, die ich vertrete, in ihren Überzeugungen: diese Kultur muss geschützt werden, wie alle Minderheitenkulturen. Mit seiner üblichen Weisheit hat der Conseil constitutionnel ein Beispiel für Toleranz gegeben und seinen Respekt für die kulturelle Vielfalt unseres Landes unter Beweis gestellt.
Die gemeinsame Tätigkeit des Observatoire National des Cultures Taurines und unserer Organisation hat gezeigt, dass die Stierkultur alle politischen Klischees überwindet, denn immerhin schrieb die vorherige Regierung die Fiesta in das nationale Kulturerbe und die derzeitige verteidigte entschieden ihr verfassungsmäßiges Existenzrecht. Und die Bürgermeister der Vereinigung, die ich repräsentiere, gehören zu allen politischen Parteien."
Quellen:
Mundotoro.com, 21.9.2012: El Consejo Constitucional blinda la Fiesta en Francia
Mundotoro.com, 21.9.2012: André Viard: 'la Fiesta goza de ahora en adelante de una protección máxima a nivel institucional'
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