Dienstag, 27. Dezember 2011

Nach Katalonien auch Galicien?

Wieder werden die Stiere zum Politikum

Seit dem 25. September 2011 gibt es in Katalonien keine corridas mehr. Sie wurde von einer armseligen Allianz aus Tieraktivisten und katalonischen Separatisten, die dem spanischen Staat durch die Abschaffung eines seiner Symbole einen Schlag versetzen wollten, abgeschafft.

Nun wurde in Galicien, ebenfalls ein autonome Region mit starker nationalistischer Präsenz, ein erster Schritt in die gleiche Richtung getätigt. Bieito Lobeira, Abgeordneter zum regionalen galicischen Parlament für den BNG und in dieser Hinsicht schon öfter antitaurinisch aufgefallen, hat einen Antrag verfasst, Unter 12-jährigen den Zutritt zu corridas in Galicien zu verbieten. Der Vorschlag wurde vorerst zur Diskussion angenommen.

Offiziell führt er als Grund die "negative psychologische Wirkung" an, die derartige Veranstaltungen bei jungen Menschen verursachen würden (die allerdings bisher durch nichts nachgewiesen wurden). Weiter gibt er allerdings auch zu, dass seine Partei, die derzeit 12 von 75 Abgeordnetensitzen im Regionalparlament hält und auch mit 2 Mandaten im nationalen Parlament vertreten ist, weiterhin auf eine Abschaffung der touradas hinarbeiten werde: "Niemand kann Freude oder Genuss von Folter und Misshandlung eines Tieres bis zu seinem Tod rechtfertigen". Das übliche Gefasel eben, wenig argumentativ, dafür emotional sehr aufgeheizt.

Interessant zu erwähnen ist, dass die Stiere in Galicien kaum Tradition haben. Im Jahr 2010 wurden in der gesamten Region nur 8 Veranstaltungen (corridas de toros, corridas de rejoneo und novilladas) durchgeführt. Von den Arenen ist jediglich diejenige in La Coruña (etwa 10.000 Plätze) erwähnenswert. Die Fiesta hat in diesem Teil Spaniens also eher wenig Verwurzelung.

Dennoch akzeptieren nicht alle diesen Vorstoß, von der Gegenseite regt sich schon Widerstand. Carlos Núñez, Präsident der UCTL (Unión de Criadores de Toros de Lidia - Union der Kampfstierzüchter) und des Mesa del Toro drückt seine Ablehnung gegenüber dem Vorschlag aus, indem er darauf verweist, dass derartige Dinge alleinige Entscheidung der Eltern sein sollen und jegliche staatliche Einmischung einen Verstoß gegen Rechte und Freiheiten darstellt. "Wir werden nicht nachlassen, die Tauromaquia mit all unseren Kräften zu verteidigen". 

Die Asociación Internacional de Tauromaquia (Internationale Vereinigung der Tauromaquia) hingegen sieht in einer Erklärung den Vorstoß eingebettet in einen breiteren Rahmen von Angriffen auf die spanische Kultur im Allgemeinen und die Fiesta Nacional im Besonderen von Seiten separatistischer Kräfte. Der negative Einfluß vom Besuch von corridas während der Kindheit und Jugend auf die Persönlichkeit wird im Folgenden negiert und die Initiative des BNG dementsprechend abgelehnt. Die Zentralregierung wird schließlich aufgefordert, schnell und schlagkräftig gegen die andauernde Angriffe von Seiten der Gegner vorzugehen, und die Fiesta zu schützen. Eine Anregung, die bei den neuen Mehrheiten im Madrider Parlament durchaus auf offene Ohren stoßen könnte.

All diese Reaktionen mögen ein wenig panisch wirken, sind aber durchaus einleuchtend, wenn man daran denkt, dass auch in Katalonien alles mit einer Zugangsbeschränkung für Kinder begann. Niemand aus dem Bereich der Tauromaquia nahm die Initiativen wirklich ernst, und als man endlich zu reagieren begann, war es bereits zu spät. Das Ergebnis ist bekannt. Ein ähnliches Szenario ist zwar derzeit in Galicien nicht realistisch, hat doch die einzig dezidiert protaurinische Partei (PP-Partido Popular) derzeit im Regionalparlament noch die absolute Mehrheit, wenn auch mit der hauchdünnen Mehrheit von einem einzigen Mandat. Die nächsten Wahlen stehen 2013 an, bis dahin sollte alles unternommen werden, um die Fiesta Brava zu schützen und sie dem Zugriff politischer Kräfte, die sich auf ihre Kosten profilieren wollen, zu entziehen.

Links:

Mundotoro: Y ahora... Galicia, 23.12.2011.

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